Ehemalige katholische Volksschule in Heidkamp

Dokumentation September 2014, vorgelegt von Architekt Dr.-Ing. Norbert Stannek

Geschichte der Schule

Der Vorgänger des heutigen Schulbaues wurde 1874 in der "Wiese" errichtet. Hierin und im "Haus Scheidt", die beide an der Bensberger Straße lagen, wurde Unterricht bis 1892 erteilt. Danach fand der Unterricht in der neu entstandenen katholischen Volksschule Heidkamp statt. Der aus 1892 stammende Kernbau des heutigen Gebäudes umfaßte acht Klassen.

Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung im südlichen Heidkamp durch die fortschreitende Industrialisierung und ab 1900 in der Gartensiedlung Gronauer Wald stetig zu und dementsprechend die Schülerzahl. 1909 wurde eine achte Klasse eingerichtet. Das Schulgebäude erwies sich bald als zu klein. Unter Rektor Josef Moitzheim wurde die Schule 1922/23 nach Plänen des Bergisch Gladbacher Architekten Hans Heibel an der Südseite durch einen Querbau erweitert3 und der Altbau um ein Dachgeschoß aufgestockt. Der Neubau umfaßte vier Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen, im Dach des Altbaues wurde u.a. eine Wohnung für den Hausmeister eingerichtet. Die Einweihung erfolgte im Dezember 1924.

In der örtlichen Presse hieß es hierzu: „Herr Schulrat Obermeyer, als Vertreter der Regierung, spricht der Stadt den Glückwunsch zu dem stattlichen Hause aus. Es zeuge von der Verantwortung bezügl. der Erziehung der Volksschuljugend, von der Verwaltung und Gemeindeorgane durchdrungen seien. … [Der] Redner wies hin auf den Fortschritt im Schulwesen bezügl. der Gebäude und bezügl. der Ausbildung der Lehrenden. Zum Schluß betonte er, daß die Bürgerschaft der Stadt Dank schulde dafür, daß sie dieses mustergültige Schuldgebäude geschaffen. Nachdem nun ein Schülerchor die Feier beschlossen, fand ein Rundgang durch das Schulgebäude statt, das in harmonischer innerer und äußerer Ausgestaltung ein Zierstück unter den Volksschulen darstellt. … Die Beteiligten haben sicherlich alle mit dem Wunsche die Feier verlassen, daß wir bald in die glückliche Lage kommen möchten, in weiterer Weise großzügig für unsere Volksschulen sorgen zu können." - Weiter führt der Redakteur aus, daß der Schulleiter sich rühmen dürfe, der Leiter des schönsten Schulsystems in weiterem Umkreise zu sein. Die Schulen hätten längere Zeit nicht recht Schritt mit der Ausdehnung der Stadt gehalten. Mit dem Schulbau in Hand und jetzt in Heidkamp sei ein guter Schritt vorwärts getan worden.

Das Bewußtsein, etwas Besonderes geschaffen zu haben, auf das man stolz sein konnte, wird verständlich, wenn man bedenkt, daß insbesondere im Baujahr 1923 die Inflation in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht hatte und die Finanzierung eines solchen Projektes nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen sein dürfte.

Ab Ostern 1926 wurde die neu eingerichtete Hilfsschule in einem Klassenraum untergebracht.

1939 wurde die Schule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schulgebäude als Sammellager deutscher und fremdländischer Soldaten, als Heim für Obdachlose und als Unterkunft für Durchreisende. 1945 standen nur drei von zwölf Räumen tatsächlich für den Unterricht zur Verfügung. Infolge einer allgemeinen Anordnung der Militärregierung wurde auch die Schule in Heidkamp am 3.9.1945 wieder eröffnet, als Gemeinschaftsschule.

Am 26.11.1945 stimmten die Eltern für die Wiedereinführung der konfessionellen Schule, wie sie entsprechend der Rechtsregelung vor 1933 bestanden hatte. Ende 1945 wird die Hilfsschule wiedereröffnet.

In der Anfangszeit nach 1945 war die Durchführung eines stetigen und ordentlichen Unterrichtes nur eingeschränkt möglich. 1946 wurden die Schulgrenzen neu festgesetzt und den Kirchenbezirksgrenzen angepaßt, etwa dem Stand von vor 1933 entsprechend. Ein Teil der Schulkinder wurde an die Schule Buchmühle und die Schule in Gronau abgegeben.

Am 1.6.1947 feierte die Schule ihr 25-jähriges Bestehen.

Ab Ostern 1954 ist die katholische Volksschule Heidkamp die größte Volksschule in
Bergisch Gladbach.

Mit Beginn des Schuljahres 1955 verläßt die Hilfsschule das Gebäude und siedelt um in die alte Schule an der Wilhelmstraße, wo bis dahin die Berufsschule untergebracht war. Diese bezieht das neu errichtete Gebäude an der Bensberger Straße, wo sie heute noch zu großen Teilen beheimatet ist.

Ab 1956 wurde in einem Dreijahresplan die Volksschule im Inneren umfassend instandgesetzt. Elektroinstallationen, Türen und Fußböden wurden erneuert.

1963 wird die frühere Hausmeisterwohnung zu einem großen Werkraum umgewandelt. In demselben Jahr wurde der vor der nördlichen Giebelseite befindliche, hölzerne Feuerwehrturm wegen Einsturzgefahr abgebrochen5. In 1964 wird der Schulhof von der Straßenseite hinter das Gebäude verlegt.

Anfang der 1970-er Jahre kam in dem Schulgebäude die zweizügige, neu entstandene Gemeinschaftsgrundschule Heidkamp unter.

Zu Beginn des Jahres 1981 zogen die beiden Grundschulen in das neu errichtete Schulgebäude an der Bonnschlade / Ecke Oberheidkamper Straße. Seither wurde das ehemalige Volksschulgebäude von der Berufsschule genutzt. Ab 1990 sind in dem Gebäude untergebracht Büros, Unterrichtsräume und eine Jugendwerkstatt des Arbeitskreises Soziale Minderheiten e.V.

Zum Schuljahr 1998/99 wurde die katholische Grundschule am neuen Standort Oberheidkamper Straße aufgelöst.

Das Gebäude der kath. Volksschule spielt nicht nur für das Volksschulwesen in Bergisch Gladbach eine bedeutende Rolle, sondern auch für die berufliche Bildung. Nach Gründung einer Fortbildungsschule im Jahr 1892, die vom örtlichen Handwerkerverein initiiert wurde, führte seit 1893 die Stadt Bergisch Gladbach als Schulträger Unterricht in einem Raum der Schule durch. Schüler waren freiwillige Lehrlinge des Metall- und Bauhandwerks. Unterrichtet wurde am Sonntagvormittag und an zwei Abenden in der Woche. Anfängliche Inhalte des durch Volksschullehrer erteilten Unterrichts waren die Ergänzung und Fortführung des Volksschulunterrichtes, später unterrichteten ein Ingenieur und ein Architekt. Im Gründungsjahr besuchten 37 Lehrlinge die Schule, nach der Verpflichtung zum Schulunterricht durch die Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1899 waren es um 1900 bereits 150 Schüler. 1899 wurde eine Hufbeschlaglehrschmiede eingerichtet. Ab 1908 wurden die Betriebe verpflichtet, auch Jungarbeiter zum Unterricht zu schicken. Mit steigender Schülerzahl wurden in weiteren Volksschulen Räume angemietet. 1935 befand sich das Hauptgebäude der Berufsschule in der Wilhelmstraße, der heutigen Hauptstraße, das durch den Bau der Volksschule Buchmühle freigeworden war.

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