Jahresberichte  aus dem Arbeitskreis Fachwerk - Denkmal - Stadtbildpflege

Mai 2014 bis April 2015

Im Berichtszeitraum von Mai 2014 bis April 2015 wandte sich der Arbeitskreis dem sehr aktuellen Schwerpunktthema Denkmalpflegeplan zu. Anlass war die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans (FNP) für die Stadt Bergisch Gladbach.

Der Denkmalpflegeplan ist ein kulturhistorischer Fachbeitrag zur Stadtentwicklungsplanung und umfasst das gesamte Stadtgebiet. Er setzt sich mit der Siedlungsgeschichte unserer Stadt auseinander, stellt die Bau- und Bodendenkmäler einschließlich der Denkmalbereiche dar, aber auch die erhaltenswerte Bausubstanz sowie andere Kulturgüter als Zeugnisse menschlichen Handelns, die als solche für die Geschichte des Menschen bedeutsam sind. Mit dem Blick auf den Naturraum als Ganzes fallen unter den Begriff Kulturgüter z. B. auch Heckenlandschaften, eine Allee, ein Naturdenkmal, ein kurfürstliches Jagdrevier, ein Bildstock an der Wegekreuzung oder ein geologischer Aufschluss mit versteinerten Fossilien. Kulturgüter hinterlassen in unserer Kulturlandschaft deutlich ablesbare Spuren und charakterisieren deren historische Dimension.

Leider sind die Kulturgüter im Stadtgebiet nur unvollständig erfasst, mit der Folge, dass sie durch Bauvorhaben beeinträchtigt oder ganz beseitigt werden, z. B. Haus Kradepohl 2009, Gebäude des ehemaligen Kalkwerks in der Schlade 2009, die Kammgarnspinnerei vom Hövel (Locher Mühle) 1998 usw. Die Folge davon ist ein schleichender Verlust von Kulturlandschaft. Zeugnisse des früheren Lebens und Wirtschaftens gehen verloren und damit auch ein stückweit die Identifikation mit unserer Heimat.

Nach § 25 Denkmalschutzgesetz NW (DSchG) ist der Denkmalpflegeplan eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Aus dem Gesetzeswortlaut folgt, dass ein Denkmalpflegeplan aufzustellen und fortzuschreiben ist, sofern keine besonderen Ausnahmegründe vorliegen. Der Auftrag des Gesetzgebers bezieht sich auf eine vorausschauende Denkmalpflege (Kulturgüterschutz) im Kontext der Stadtentwicklungsplanung. Die Vorgabe der Berücksichtigung der Denkmalbelange, auch der angemessenen Gestaltung ihrer Umgebung nach DSchG korrespondieren mit den in § 1 Baugesetzbuch formulierten Grundsätzen der Bauleitplanung, wonach bei der Aufstellung von Bauleitplänen u. a. die Belange der Baukultur, des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, die erhaltenswerten Ortsteile, Straßen und Plätze von geschichtlicher, künstlerischer oder städtebaulicher Bedeutung und die Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes zu berücksichtigen sind.

Mit einem Denkmalpflegeplan steht Politik und Verwaltung ein Handlungsinstrument zur Verfügung, mit dem die Belange Denkmalschutz und Denkmalpflege sowie der Belang Ortsbild für künftige kommunale Planungen vorab konkretisiert und umfassend begründet werden. Mittel- und langfristige Ziele des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege können entwickelt und in Maßnahmen- und Förderprogrammen umgesetzt werden.
Ein wesentliches Steuerungsinstrument für die kommunale Entwicklung ist der FNP , der in Bergisch Gladbach in den kommenden drei Jahren neu aufgestellt werden wird. Ihm kommt für das Schicksal der Kulturgüter eine hohe Bedeutung zu. So ist der FNP wie kein anderes Planinstrument geeignet, räumlich wirksame historische Informationen wie Blickbeziehungen z. B. zu Schloss Bensberg oder Funktionszusammenhänge z. B. zwischen den Kalköfen Cox und dem Steinbruch Marienhöhe sowie Strukturen im Siedlungszusammenhang aufzuzeigen. So werden historische Gegebenheiten im örtlichen Zusammenhang betrachtet und daraus Leitbilder für eine aus Sicht der Denkmalpflege wünschenswerte künftige Entwicklung abgeleitet.

Der Denkmalpflegeplan wird in NRW überwiegend als ein Instrument informeller Planung gesehen und lässt somit Spielräume zu. Er dient Politik und Verwaltung als eine wichtige Informationsquelle und gibt Orientierungshilfe in allen Fragen der Baukultur und Denkmalpflege. Dies bedeutet gerade bei der Neuaufstellung eines FNP eine große Chance für zukunftsorientierte Stadtentwicklung.

Als Vorbereitung für die Aufstellung eines neuen FNP wurden bisher verschiedene Fachbeiträge erstellt, z. B. ein Verkehrskonzept, ein Gewerbeflächenkonzept, ein Einzelhandelskonzept usw. Der kulturelle Fachbeitrag fehlt bisher, jedoch drängt die Zeit, da der große Umfang des Plangebiets einen Bearbeitungszeitrahmen von ca. drei Jahren erfordert.

Der Arbeitskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diesen Mangel aufmerksam zu machen und die Beauftragung eines Denkmalpflegeplans anzustoßen. Ein erstes Gespräch zum Thema erfolgte am 13.8.2014 beim Bürgermeister Lutz Urbach, an dem auch Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke teilnahm. Sie hatte bereits auf der Vortragsveranstaltung 2014 in der Villa Zanders den Nutzen und Wert eines Denkmalpflegeplans zum Ausdruck gebracht und die Unterstützung ihres LVR-Amts zugesagt. Bürgermeister Urbach reagierte positiv auf die Anregung. Mit seiner mittlerweile auch umgesetzten Ankündigung, eine zusätzliche weitere halbe Stelle im Denkmalschutz einzurichten, hat er eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, die Erarbeitung eines Denkmalpflegeplans auch städtischerseits begleiten zu können.

Der AK ist sich bewusst, dass nur eine frühe und umfassende Information über die historische Bedeutung der Baukultur und der Kulturlandschaft sowie eine offene Kommunikation mit Planern, Entscheidern und Bürgern dem Denkmalpflegeplan Akzeptanz und Wertschätzung sichert. Daher wird das Thema unseres zweiten Vortrags in der Reihe Denkmalschutz in unserer Stadt am 25.4.2015 um 11 Uhr in der Villa Zanders der Denkmalpflegeplan sein. Als Referentin kommt Dr. Gundula Lang vom LVR-Amt für Denkmalpflege.

Denkmal des Monats in 2014: Altes Pastorat in Refrath

Etwa vierzig Besucher waren am 21.10.2014 trotz strömenden Regens und fehlender Ankündigung in der Lokalpresse zur 14. Präsentation eines Denkmal des Monats in Bergisch Gladbach gekommen und versammelten sich vor der wohl schönsten Fachwerkfassade in Refrath gleich neben der so genannten Taufkirche.

Dort befindet sich das Alte Pastorat von 1846, ein repräsentativer Bau im klassizistischen Stil mit hohen Decken und markantem Walmdach. Dr. Ulrich Krings vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz begrüßte die Besucher und den Eigentümer:

„Oft legen wir den Finger in eine schwärende Wunde, manchmal müssen wir sogar das Requiem halten.“

Doch diesmal entfiel die Totenmesse für ein historisches Gebäude. Im Gegenteil: die Eigentümer, das Lehrerehepaar Ursula Gerstner und Karl Kritzler, haben das ziemlich marode Gebäude 1978 gekauft Sensibilität und persönlichem, auch körperlichem Einsatz möglichst originalgetreu saniert.

Sie haben damit nicht nur für sich ein stilvolles Zuhause geschaffen, sondern auch ein Gebäude erhalten, das in der Ortsgeschichte von Refrath eine bedeutende Rolle spielt. Mit ihrem Einsatz dokumentieren sie ein Musterbeispiel für privates Engagement im Denkmalschutz. Den Veranstaltern war es ein Anliegen, diesen Einsatz in den öffentlichen Mittelpunkt zu stellen und zu würdigen.

Heute ist das Alte Pastorat eines der wenigen erhaltenen Fachwerkhäuser in Refrath. Neben der mittelalterlichen Taufkirche kommt dem charaktervollen und straßenbildprägenden Gebäude eine zusätzliche stadtbildpflegerische Bedeutung zu.

In seinem Grußwort verwies Max Morsches auf vergangene Aktivitäten an der Taufkirche. So initiierte der Bürger- und Heimatverein Refrath 1993 eine Gestaltungssatzung für den Bereich um die Taufkirche. 2002 wurden gemeinsam mit dem BGV die Grabsteine auf dem alten Kirchhof saniert.

In einem anschaulichen Vortrag führte Hans-Peter Müller, der Vorsitzende dieses Vereins, die Gäste in die entbehrungsreiche Lebenswelt Refraths im 19. Jahrhundert und schilderte die schwierigen Umstände bei dem Bau und dem Werdegang des Gebäudes.

Anrührend war der sehr persönliche Bericht von Karl Kritzler, dessen Ehefrau vor einigen Jahren verstorben ist. Er sprach seiner Frau die höhere Ausdauer und Genauigkeit zu. Ihr sei die hohe Qualität der Sanierung maßgeblich zu verdanken. Das Abschleifen mehrerer Farbschichten auf der inneren Treppe vom Erd- zum Dachgeschoss erfolgte über fast fünf Jahre.

In seinem Schlusswort betonte Karl Kritzler, dass im Rückblick die Sanierungszeit zu lang war. Heute sei er froh, hier leben zu können. Mit den Auflagen des Denkmalschutzes habe er nie Probleme gehabt, da sein Anliegen ohnehin eine denkmalgerechte Sanierung gewesen sei.

Zum Abschluss und als Höhepunkt der Veranstaltung öffnete Karl Kritzler sein Heim und bot den Besuchern die seltene Gelegenheit, auch einmal einen Blick in das Gebäudeinnere zu werfen.

Denkmal des Monats in 2011: Neues Herwegshaus, Burggraben 1

Am Präsentationstag war auf die herausragende Lage und stadtbildpflegerische Bedeutung dieses repräsentativen Bruchsteinhauses am ehemaligen Marktplatz zwischen Schloss Bensberg und der mittelalterlichen Burg, dem Böhmschen Rathaus, hingewiesen worden, aber auch auf die städtebaulichen Fehlentwicklungen im Umfeld. Darüber hinaus wurde auf beträchtliche Schäden am Mauerwerk aufmerksam gemacht. Da in den Folgejahren Veränderungen bei der Eigentümerschaft erfolgten, fanden erst seit vorigem Jahr Gespräche zwischen dem Arbeitskreis und den neuen Eigentümern statt. Sie führten dazu, dass Untersuchungen durch Fachfirmen vor Ort erfolgten, substanzwahrende Sanierungsverfahren besprochen und Kosten ermittelt wurden.

Lose und fehlende Bruchsteine müssen ergänzt sowie absandende und abschiefernde Bruchsteine mittels spezieller Verfahren gefestigt, alle Fugen gereinigt und neu verfüllt werden. Kompetenz und Erfahrung des Architekten Dr. Norbert Stannek, spezialisiert auf Denkmalpflege, der den AK zunehmend ehrenamtlich unterstützt, geben wertvolle Hilfestellung. Priorität erhält die Schau- und Wetterseite zum Marktplatz.

Die Eigentümer beabsichtigen, 2015 die Schaufassade von Efeu zu befreien, dessen Wurzeln Fugen und Mauersteine schädigen. Die Fensterrahmen sind mit Leinölfarbe zu streichen. Darüber hinaus ist die Anlegung einer Musterfläche auf der Fassade geplant, mit der die optische Wirkung und die Eignung des gewählten Sanierungsverfahrens erprobt werden soll.

Am Präsentationstag 2011 wurde auch das seitlich angrenzende, ehemalige Verwaltungsgebäude der Erzgrube und Zinkhütte Berzelius angesprochen (Markt 6, Reisebüro), das die östliche Marktseite ebenfalls positiv prägt und als Teil des Malerwinkels zu betrachten ist. Für dieses Gebäude liegt zwischenzeitlich sowohl ein positives Gutachten des LVR-Amts für Denkmalpflege als auch ein Abrissantrag des Eigentümers vor. Eine letztgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Architekt Norbert Stannek wies in seinem Fachvortrag 2011 darauf hin, dass das Neue Herwegshaus prägend für den Marktplatz sei und es aus städtebaulichen Gründen auch bleiben solle: „Wenn man an eine ergänzende Bebauung in der Nachbarschaft oder gar an einen Ersatz von Nachbarhäusern denken sollte, wäre eine städtebauliche Rahmenplanung wünschenswert, an der sich zukünftige Bauvorhaben orientieren müssten in Bezug auf Bauform, Höhe und Grundstücksausnutzung, um im Vergleich mit Fachwerkhäusern im Malerwinkel und am Burggraben bestehen zu können.

Hinter dem Herwegshaus sind vor Jahrzehnten Gebäude entstanden, die diese Rücksichtnahme leider vermissen lassen.

Eine Stadt lebt nicht nur von verdichteten Geschäftszentren an sich, sondern auch von der Qualität gebauter Umgebung. Es wäre schön, wenn sich die Bauleitplanung dieser Aufgabenstellung annehmen könnte.“ Mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vom 1.12.2011 hat die Stadt die Voraussetzung geschaffen, das Baugeschehen im weiteren Umfeld des Marktplatzes ortsbildverträglich zu gestalten.

Denkmal des Monats in 2005: Rommerscheider Hof

Der AK bemüht sich immer wieder, den Stillstand um dieses bedrohte Denkmal aufzuheben. Bernd Heil vom AK ist seit Jahren bereit, den Hof zu kaufen und denkmalgerecht zu sanieren. Der Eigentümer hat zwischenzeitlich sämtliches Umland verkauft und einen Abrissantrag gestellt.

Am 10.3.2015 fand ein Ortstermin am Rommerscheider Hof statt, an dem der vom Eigentümer beauftragte Gutachter Nikolaus Sturm, die Untere Denkmalbehörde, das LVR-Amt für Denkmalpflege und Vertreter des Bergischen Geschichtsvereins teilnahmen. Zunächst wurde von allen Beteiligten der hohe Denkmalwert dieses außergewöhnlichen und weitgehend original erhaltenen Fachwerkhofs von um 1600 bestätigt.

Nach örtlicher Prüfung von Fachleuten wurde die langfristige Standfestigkeit des seit über 15 Jahren leer stehenden Gebäudes festgestellt.

Die Beteiligten waren sich einig, dass mit Bezug auf den § 7 des DSchG die Erhaltungspflicht des Eigentümers nicht immer vollständig erfüllt wurde. Die Vernachlässigung des Gebäudes bzw. die theoretischen Abrisskosten müssten beim Kaufpreis in Abzug gebracht werden. Auf einem Gerichtstermin soll über den Abrissantrag des Eigentümers entschieden werden.

Alte Volksschule in Heidkamp

Für die Alte Volksschule in Heidkamp, der Kernbau stammt von 1892, eine Erweiterung von 1922 und 1923, sind die Abrisspläne nach Einsprüchen von Bürgern und Bildung einer Bürgerinitiative vom Tisch. Der AK kooperierte frühzeitig mit einem Investor der etwas anderen Art, der die Schule von Anfang an denkmalgerecht zu sanieren bereit war und sich mit zahlreichen Referenzobjekten von historischen Gebäuden in der Stadt Rösrath ausweisen konnte.

Er möchte die Schule u. a. als Soziales Kompetenzzentrum mit AWO, Kinderschutzbund und Café nutzen. Investor und Stadt konnten ein Einvernehmen bezüglich Gebäudenutzung und Kaufpreis erzielen; derzeit wird der Bebauungsplan der neuen Nutzung angepasst. Der Arbeitskreis erstellte mit Dr. Stannek eine Dokumentation, die am 23.9.2014 an die Denkmalbehörden versendet wurde, um die von der Bürgerinitiative beantragte Prüfung des Denkmalwertes zu unterstützen. Bemerkenswert ist das Treppenhausfenster im Kopfbau. Es zeigt acht künstlerisch gestaltete Darstellungen aus der Erlebniswelt von Kindern.

Entworfen und geschaffen wurden sie von dem Kölner Glasmaler Ludwig Preckel, der über das Rheinland hinaus einen hervorragenden Ruf besaß und auch international tätig war.

Sonstiges

Der Arbeitskreis hat im vergangenen Jahr wieder mehrere Führungen angeboten. Dr. Alexander Kierdorf führte zum Tag des offenen Denkmals am 13. September durch das Gladbacher Rathaus und Thomas Klostermann über den Quirlsberg zum Wasserturm der Firma Zanders (von 1906), zu den Kalköfen im Zillertal (1875) und zum Evangelischen Kirchhof neben der Gnadenkirche (1777). Darüber hinaus wurden zum Tag der Bergischen Geschichte am 6.9. Führungen Rund um´s Alte Schloss durchgeführt. Weiterhin erfolgten Vorträge im GL.

Nach einer Führung rund um Burg Zweiffel in Herrenstrunden trafen sich am 14. Juni die Mitglieder des AK zu einem geselligen Grillnachmittag vor Fachwerk und mittelalterlichem Burgtor (Herkenrather Tor) im Innenhof des Wirtschaftshofs (seit 1.4.2014 eingetragenes Baudenkmal).