Jahresbericht des Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege

Mai 2010 bis April 2011

Von Thomas Klostermann

Zwei verdienstvolle Mitarbeiter haben sich 2011 altersbedingt aus dem Arbeitskreis (AK) verabschiedet. Zu danken ist Franz Ott, ehemals Kulturamtsleiter der Stadt Bergisch Gladbach, insbesondere aber Hans-Walter Böringer, der sich seit Gründung des AKs im Mai 1999, also seit 12 Jahren für die Baukultur vorwiegend in Bensberg eingesetzt hat und sich, nunmehr 87 Jahre alt, „etwas zur Ruhe setzen möchte“. Neu hinzugekommen ist Architekt Rainer Brandenburg, der sich derzeit in das Thema „Friedhöfe und Grabsteine“ einarbeitet. Für zahlreiche Aufgaben, z. B. Öffentlichkeitsarbeit, Projektabwicklung, Forschung und Sponsoring, sind Interessenten und Nachwuchskräfte im AK stets willkommen. Auch kleine Hilfestellungen werden dankbar angenommen. Im Idealfall findet sich für jeden Ortsteil ein „Kümmerer“, der sich für die Pflege und Erhaltung der Baukultur in seinem Ort einsetzt.

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des AK hatte der BGV am 6.3.2010 zu einer Vortragsveranstaltung in die Villa Zanders eingeladen. Festredner Prof. Dr. Udo Mainzer, Landeskonservator im Rheinland, äußerte sich in einem bemerkenswerten Vortrag zu dem grundsätzlichen Thema „Wozu eigentlich braucht die Gesellschaft Denkmäler?“

Den lokalen Bezug stellte im zweiten Vortrag Frau Dr. Eva Effertz her mit fundierten „Anmerkungen zum Denkmalschutz in Bergisch Gladbach“. Bürgermeister Lutz Urbach dankte dem AK für seine unverzichtbare Arbeit und wünschte ihm eine positive Entwicklung. Er betonte die Wichtigkeit von Denkmälern für das Identitätsgefühl der Bürger/innen in der Stadt und drückte seine Freude über das stetige Wachsen der Denkmalliste aus. Unter www.bgv-rhein-berg.de, Arbeitskreis Fachwerk, finden sich ausführliche Informationen zu dieser Veranstaltung.

Laurentiusfriedhof

Der AK hat sich dem Thema „Friedhöfe und Grabsteine“ zugewendet. Sie sind wichtige Kulturzeugnisse und von großer historischer Bedeutung. Wegen der sich rasch wandelnden Bestattungskultur gehen immer wieder wertvolle Grabsteine mit dem Ende der Nutzungsfrist verloren, weil die Gräber eingeebnet werden. Dabei handelt es sich teilweise um bildhauerische Meisterwerke und Grabstellen von wichtigen städtischen Persönlichkeiten. Der AK hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen.
Dabei steht zunächst der Laurentiusfriedhof in der Stadtmitte im Blickpunkt, weil er eine erstaunliche Vielfalt an wertvollen Grabsteinen mit reichhaltiger Grabsymbolik aufweist. Zu nennen sind vor allem die sehr seltenen Grottengräber aus örtlichem Kalkstein. Der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Stöcker aus Köln hat spannende Führungen über den Friedhof durchgeführt und bereitet derzeit die Veröffentlichung eines Buchs mit dem BGV vor, das auch als Führer gedacht ist. AK-Mitglied Rainer Brandenburg hat eine detailreiche Bestandsaufnahme herausragender Grabmale erarbeitet, die als Grundlage für Gespräche mit der Kirchengemeinde und dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege dient. Ziel ist es, wertvolle Grabmale auch nach Ablauf der Nutzungsfrist an ihrem Standort einfach zu belassen oder sie einem Paten zu übertragen (Modell Melaten-Friedhof Köln) oder im Einzelfall an einen ausgewiesenen Ort, einen „campus memoriae“, zu versetzen. Letztere Lösung ist aller-dings teuer und im Fall der Grottengräber wegen deren Zerbrechlichkeit kaum möglich.
Derzeit werden abgeräumte Grabsteine im Container gesammelt, danach zerkleinert und im Straßenbau verwendet.

Wegekreuz Grünenbäumchen

Dieses 2009 nach Sanierung neu aufgestellte Wegekreuz an der Straßenecke „Talblick/Lessingstraße“ in Herkenrath-Grünenbäumchen führte im wahrsten Sinne des Worts bis 2009 ein Schattendasein. Abseits im Gebüsch konnte es von Anwohnern kaum wahrgenommen werden.

Es handelt sich um ein ca. 2,20 m hohes Wegekreuz aus Lindlarer Grauwacke bestehend aus Sockel, Inschriftstein mit Jahreszahl 1846, Konsolplatte, Nischenstein mit Silhouette der schmerzhaften Muttergottes sowie Kreuz mit Christus-Corpus.
Der AK koordinierte die Restaurierung, die Aufstellung am neuen Standort, die Eintragung einer Grunddienstbarkeit auf dem städtischen Grundstück sowie die Schenkung an die katholische Kirchengemeinde St. Antonius Abbas, die dankenswerterweise die Sanierungskosten in Höhe von ca. 3.000 € übernommen hat.

Bocker Kreuz

Das „Bocker Kreuz“, ein schlichtes, hölzernes Wegekreuz aus der Zeit um 1900, steht am Eingang der Laurentiusstraße linker Hand gleich hinter dem Gasthaus „Am Bock“ in einer kleinen Nische der Böschungsmauer, umrahmt von drei mächtigen, in die Straße ragenden Lindenbäumen. In Kombination ergibt sich ein Bild, das den Straßenraum unverwechselbar prägt.

2008/09 wurde dem AK bei einer Grabauflösung in Bensberg ein sehr schön geschnitzter Christus-Corpus zur Wiederverwendung zur Verfügung gestellt. Nach aufwändiger Restaurierung durch AK-Mitglied Kurt Weßel und Einsegnung des Kreuzes am 30.6.2009 wurde der Corpus in der Nacht zum 1. Mai 2010 gestohlen.

Ein zweiter Corpus wurde gestiftet und wiederum durch Kurt Weßel restauriert. Acht alte Anstriche entfernte er in mühevoller Kleinarbeit, stabilisierte Arme und Beine und gab ihm so ein ansprechendes Aussehen. Auch das Kreuz wurde überholt sowie das Umfeld gepflegt. Dachdeckermeister Michael Schwidder fertigte ein hölzernes Schutzdach, mit Kupfer gedeckt, ehrenamtlich an. Die Sanierungskosten in Höhe von 500 € übernahm AK-Mitglied Gerhard Niebuhr. Am 12.12.2010 wurde das Kreuz von Pfarrer Norbert Hörter erneut eingesegnet.

Der wiederhergestellte Ort stellt sicherlich eine Bereicherung für das Stadtbild dar; möge ihm der nötige Respekt zukommen. Allen beteiligten Helfern sei herzlich gedankt.

Denkmal des Monats in 2010

Zum 10. Mal präsentierte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Ortsverband Köln, in Kooperation mit dem BGV, ein „Denkmal des Monats“. Seit 2001 wird einmal jährlich in Bergisch Gladbach, sonst meist in Köln, ein herausragendes, gefährdetes oder kaum bekanntes Objekt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt.

Am 23.11.2010 war dieses der Gedenkstein an der Kirchgasse vor dem Fronhof in Herkenrath. Die Vereine wollten auf ein kleines, weniger bekanntes Glaubenszeugnis christlicher Volksfrömmigkeit aufmerksam machen und notwendige Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen einleiten.

Frau Ursula Wenzel erläuterte in ihrem Fachvortrag die Geschichte des mittelalterlichen Fronhofs und den Zusammenhang des Gedenksteins mit zwei verdienstvollen Herkenrather Persönlichkeiten, Pfarrer Peter Wilhelm Abstoß und Heinrich Molitor, Gutsbesitzer von der Asselborn. Pfarrer Abstoß, der das Leben der Pfarrgemeinde St. Antonius Abbas von 1811 bis 1874 auf vielfältige Weise gefördert hatte, schenkte 1870 den Fronhof mit allem Grund und Boden seinem verdienstvollen Mitarbeiter Heinrich Molitor, der kaum ein Ehrenamt in der Gemeinde nicht inne hatte und dreißig Jahre im Bensberger Gemeinderat tätig war. Letzterer ließ 1886 den Gedenkstein vor dem Fronhof errichten. Von den elf Kindern des Ehepaars Molitor hat nur ein Sohn die Eltern überlebt. Der Gedanke an die allgegenwärtige Vergänglichkeit des Menschen findet sich passend in der nur noch teilweise lesbaren Inschrift wieder: „… Lebe so, wie du auf deinem Sterbebett wünschest gelebt zu haben …“.

Der Gedenkstein aus Lindlarer Grauwacke hat in den letzten Jahren zunehmend gesteinstypische Schäden entwickelt. So weisen die Steinoberflächen biogenen Bewuchs auf, teilweise haben sich oberflächenparallele Schalen und Risse gebildet, die Fugen sind ausgewittert und die Statik ist nicht mehr gewährleistet.
Das Preisangebot eines Steinrestaurators beläuft sich einschließlich Auf- und Abbau sowie der Ergänzung von Fehlstellen auf 4.700 €. Mit einer Spendensammlung unterstützt der AK die Eigentümer bei der Sanierung und betreut die fachgerechte Auftragsabwicklung.

Sonstiges

Die AK-Mitglieder unternahmen mehrere Exkursionen, zur Herler Mühle in Köln-Holweide, zum Luft- und Raumfahrtzentrum in Porz, in die Papierfabrik m-real / Zanders sowie zur Yeni–Camii–Moschee am Refrather Weg.

Für das laufende Jahr hat sich der AK weitere Aktionen vorgenommen, so den Schutz und die Sanierung der Grabstele der Offiziersfamilie Dell von 1878 auf dem Bensberger Friedhof sowie die Restaurierung des Grabsteins des Kalkbrenners Jakob Bützler von 1847 an der Laurentiuskirche. Auch das hölzerne Wegekreuz am Gasthaus Paas bedarf einer Überholung, AK-Mitglied Heribert Cramer hat erste Gespräche geführt und kümmert sich um den Fortgang dieser Initiative.