Jahresbericht des Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege

Mai 2009 bis April 2010

Von Manfred Dasbach

Denkmäler des Monats in Bergisch Gladbach - Warum?

Hierzu einen Auszug aus dem Grußwort von Bürgermeister Lutz Urbach zu „10 Jahre Arbeitskreis“ am 6. März 2010 in der Villa Zanders:

“Denkmäler sind wichtig! – nicht nur für den Kulturtrip an einem verlängerten Wochenende. Wir sollten das Wort „Denkmal“ vielmehr als Imperativ im Alltag verstehen: „Bleib hier stehen und Denk mal nach!“

Eine Gesellschaft, die ihre Wurzeln nicht kennt ist eine arme Gesellschaft: Sie lernt nicht aus ihrer Vergangenheit, sie hat keine über Jahrhunderte entwickelte Identität und sie kann ihre Gegenwart nicht richtig einordnen.

Das Stellwerk Tannenbergstraße, Denkmal des Monats in 2005, wurde als denkmalwürdig eingestuft. Im Gutachten des Rheinischen Amts für Denkmalpflege heißt es: „Der Bahnhof Bergisch Gladbach ist heute nur noch durch das Stellwerk von 1911 in historischer Weise präsent.“ Bis jetzt gibt es noch keine Eintragung in die Denkmalliste der Stadt. Ausführliche Themenbehandlung „Stellwerk“ in HzSuD Nr.14 ab S.46 (Foto: M. Dasbach)

Ein Vorbild bürgerlichen Engagements zeigt sich beim Denkmal des Monats 2003, dem „Alten Kirchhof Sand“. Der ehemals etwas heruntergekommene Kirchhof aus dem 14. Jh. erfährt bis heute eine regelmäßige Pflege und Verbesserungen (neue Infotafeln) durch fleißige ehrenamtliche Sander Bürger. Sie werden bei ihren Aktionen durch den Bergischen Geschichtsverein Rhein-Berg unterstützt. (Foto: M. Dasbach)

Die Gartensiedlung Gronauer Wald wurde in 2008 Denkmal des Monats. Zur Zeit der Gartenstadtbewegung sollten städtebauliche Missstände verhindert werden. Anna und Richard Zanders gründeten 1897 die private Stiftung „Einfamilienhaussiedlung Gronauer Wald“. Hier entstanden in den darauf folgenden Jahren 72 Wohnhäuser. Im Dezember 2008 gründete sich der „Freundeskreis Gronauer Waldsiedlung“. Ziel der Initiative: „Gemeinsam mit der Stadt und den Bewohnern der Siedlung Regelungen zur Erhaltung und Gestaltung der Siedlung zu erarbeiten, ein Gemeinschaftsgefühl für die Siedlung zu entwickeln sowie die Geschichte der Siedlung zu erforschen und zu dokumentieren.“ Ausführliche Informationen zur Siedlung gibt es in HzSuD Nr. 14, Seite 36-45. (Foto: M. Dasbach)

Kinderdorf Bethanien

Denkmal des Monats in 2009: Das Kinderdorf Bethanien in Refrath, der einzige Böhm-Bau in Bergisch Gladbach, der noch nicht unter Denkmalschutz steht. Prof. Gottfried Böhm gewann 1963 den Architektenwettbewerb für das Kinderdorf. In diesem sollten Waisen in familienähnlichen Gruppen aufwachsen. (Foto: St. Pinner)

Aus dem Protokoll der Sitzung des Preisgerichts des Architektenwettbe-werbs:
„Das Preisgericht ist der Ansicht, dass durch die lebendige, organische Zusammenfügung aller Bauten Bereiche echter menschlicher Maßstäblichkeiten entstehen, die die erwünschte Atmosphäre eines Kinderdorfes zu schaffen vermögen.
Der ungewöhnliche zusammengefasste Entwurf drängt alle Bauten in sinnvol-ler Zuordnung um die Kirche als Mitte und wahrt große zusammenhängende Freiflächen. Durch diese Ringanlage entsteht eine spannungsvolle Bindung an Kirche, Verwaltung, und Gemeinschaft im Innern und nach außen eine starke Verzahnung in die freie Landschaft, wobei Individuelle Bereiche von besonderem Reiz entstehen“.

10 Jahre Arbeitskreis Fachwerk – Denkmal - Stadtbildpflege

Bürgermeister Lutz Urbach bei seinem Grußwort am 6. März 2010 in der Villa Zanders. Im Nachbarzimmer ist die Plakatausstellung des Arbeitskreises zu seinem 10jährigen Bestehen sichtbar. (Foto: Stefan Pinner)

1999 wurde der Arbeitskreis „Fachwerk – Denkmal – Stadtbildpflege“ gegründet. Ziele sind der Erhalt und die Pflege von denkmalwerten und stadtbildprägenden Bauwerken.

Der Arbeitskreis wird geleitet von dem Grundsatz, dass Denkmalpflege zu wichtig ist, um sie allein der staatlichen und kommunalen Denkmalpflege zu überlassen. Zusätzlich müssen sich auch Ehrenamtliche engagieren. Es handelt sich um eine bürgerschaftlich organisierte, eigenverantwortliche Ergänzung. Es werden nicht nur Verfall oder Bedrohung der einzelnen denkmalwerten Bauten dargestellt, sondern auch erfolgreiche Bemühungen.

Einmal im Jahr stellt der Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz der Öffentlichkeit ein „Denkmal des Monats“ vor. Es handelt sich zum Teil um weniger bekannte, gefährdete denkmalwürdige Bauten und kulturell wertvolle Baudenkmäler. Damit sollen eine breite Öffentlichkeit für den Denkmalschutz sensibilisiert und Anstöße für die Sanierung und Erhaltung der Denkmäler gegeben werden. Als Jubiläumsfeier wurde am 6. März 2010 zu einer Vortragsveranstaltung mit Plakatausstellung der Denkmäler des Monats in die Villa Zanders eingeladen. Dabei sollte im Vordergrund stehen, interessierten Bürgern, vor allem aber auch ‚Entscheidern‘ und Verantwortlichen aus Stadtrat und Stadtverwaltung, das Thema „Denkmalschutz“ näher zu bringen.

Die Festredner der Veranstaltung waren Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach, Professor Dr. Udo Mainzer und Frau Dr. Eva Effertz.

Prof. Dr. Udo Mainzer hielt die Festrede zum Jubiläum vor dem Gemälde der Maria Zanders. (Foto: St. Pinner)