Denkmal des Monats Juni 2015

von Thomas Klostermann

15. Präsentation eines Denkmal des Monats in Bergisch Gladbach

Die Kalköfen am Quirlsberg

Bei kühlem, bewölktem, aber trockenem Wetter versammelten sich gut 40 Interessierte vor den Kalköfen am Quirlsberg. Stephan von Wahl für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz und Max Morsches, Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg, begrüßten die Anwesenden. Als Eigentümervertreter war für das Evangelische Krankenhaus EVK der Technische Leiter, Herr Giebeler, gekommen. Bürgermeister Lutz Urbach konnte wegen dringender Termine nicht an der Veranstaltung teilnehmen, die Stadt war jedoch mit der Fachbereichsleiterin für Grundstücksnutzung, Elisabeth Sprenger, dem Planungsleiter Wolfgang Honecker sowie durch Mascha Ryborsch, neue und zusätzliche Kraft bei der Unteren Denkmalbehörde in GL, sehr gut vertreten.

Dr. Alexander Kierdorf, Spezialist für Industriegeschichte und -kultur, hielt den Fachvortrag. Er erinnerte daran, dass die Kalkindustrie nach der Papierproduktion das wichtigste Gewerbe in Bergisch Gladbach gewesen sei und erläuterte die Funktionsweise eines Kalkofens sowie die Geschichte des Steinbruchs am Quirlsberg. Er verwies auf einen Inschriftenstein mittig auf der Ofenfrontseite, aus der das Baujahr 1875 und der Erbauer Albert Grah hervorgingen. Viele Jahrzehnte mit Schuppen und einer Halle umbaut, wurden die beiden Öfen erst Ende 2013 bei der Erstellung von vorgelagerten Parkplätzen wieder sichtbar; einer davon nur teilweise, da er durch ein benachbartes Wohngebäude verdeckt wird.

Dr. Kierdorf verwies auf erhebliche Ausbrüche am Natursteinmauerwerk und auf die Dringlichkeit von kurzfristigen Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen. Eine Erforschung und Dokumentation der Öfen sowie des inneren Gangsystems hielt er für sinnvoll. Er betonte, dass die Kalköfen am Quirlsberg wegen des unmittelbar erlebbaren Bezuges zum Steinbruch eine zusätzliche Bedeutung und Aussagekraft hätten. Diesen Bezug gelte es bei zukünftigen Planungen zu beachten.

Im Anschluss an den Fachvortrag bekannte Fachbereichsleiterin Elisabeth Sprenger, dass sie bei dem Stichwort Kalköfen bisher immer nur an die Kalköfen Cox am S-Bahnhof gedacht habe. Heute habe sie dazu gelernt. Sie informierte auf Nachfrage über die aktuellen Planungsabsichten des EVK und der Stadt. Die Bereiche Quirlsberg und Alte Feuerwache seien Bestandteil einer Rahmenplanung-Innenstadt. Das EVK müsse die Zahl seiner Stellplätze vergrößern und beabsichtige, neben dem bereits vorhandenen Parkhaus ein weiteres mit etwa gleichem Volumen anzubauen. Das Denkmal würde dabei überbaut, müsse aber berücksichtigt werden. Daran solle auch nicht gerüttelt werden. Ein Bebauungsplan werde unter Beteiligung der Öffentlichkeit schon bald aufgestellt.

Stephan von Wahl erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Römermauer in einer Tiefgarage am Kölner Dom, die ebenfalls überbaut und doch auch öffentlich erlebbar sei. Eine Überbauung verhindere das Eindringen von Wasser und schütze somit den Ofen.

Bedauerlich war, dass gegen Ende der Veranstaltung den Teilnehmern keine Gelegenheit mehr für Fragen, Anregungen oder persönliche Erinnerungen gegeben wurde. So waren Teilnehmer anwesend, die sich noch an Zeiten der Nutzung als Luftschutzbunker erinnern konnten und persönliche Erlebnisse hätten einbringen können.

Da eine Innenbesichtigung der Kalköfen nicht möglich war, hatten sich die Veranstalter als Zusatzbonbon eine Führung auf einer seitens der Stadt angedachten Kalkroute durch die Innenstadt überlegt. Die Stadtführerin Roswitha Wirtz führte zu Orten mit Bezug zur Geschichte des Kalkgewerbes in GL. Am Bahnhof vor den Kalköfen Cox endete die Veranstaltung.