Bericht über die Präsentation des Stellwerks als Denkmal des Monats am 27.06.2006 

Trotz bergischem Landregen, der jedoch pünktlich zum Veranstaltungstermin aussetzte, Fußball WM und Ferienbeginn waren über 50 Interessenten gekommen, darunter viele Gladbacher und Kölner Eisenbahnfreunde. Sie machten die 6. Veranstaltung „Denkmal des Monats“ auf Gladbacher Stadtgebiet zu einer der bestbesuchten. Aber auch politische Prominenz hatte das Thema gelockt, unter anderem Gladbachs stellvertretenden Bürgermeister Karl-Hubert Hagen. Er sprach ebenso Grußworte wie der einladende „Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz“ und der kooperierende „Bergische Geschichtsverein“.

Enzio Fehre, Bahnmitarbeiter und Hobbyeisenbahner, hielt einen kompetenten und spannenden Fachvortrag zur Geschichte der Gladbacher Eisenbahnentwicklung, zur noch weitgehend erhaltenen mechanischen Betriebstechnik von 1911 und zur aktuellen Gefährdung durch Zentralisierungsabsichten der DB. Er verwies darauf, dass in den kommenden Jahren Stellwerke wegen der Modernisierungsmaßnahmen der Bahn rasant verloren gehen werden.

Bereits im Vorfeld hatten die Veranstalter mit Herrn Dr. Walter Buschmann vom zuständigen Rheinischen Amt für Denkmalpflege abgeklärt, ob es sich bei dem noch nicht in die Denkmalliste eingetragenen Stellwerk um ein denkmalwürdiges Objekt handelt. Dies wurde vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege mit Blick auf die selten gut erhaltene mechanische Betriebstechnik uneingeschränkt befürwortet. Eine solche Eintragung würde Gewähr bieten, dass das Stellwerk auch nach Aufgabe der jetzigen Nutzung erhalten bleibt.

Während der Veranstaltung konnte die Steuerung der zweifachen Schrankenanlage am Bahnübergang Tannenbergstraße sowie die der Weichen und Signale gut verfolgt werden. Die derzeitig noch intensive Nutzung des Stellwerks für den S-Bahnverkehr und den Güterrangierbetrieb zum Werksgelände der Papierfabrik Zanders/M-real war offensichtlich.

Die Deutsche Bahn Netz-AG als Eigentümerin war trotz schriftlicher und fernmündlicher Einladung nicht vertreten, was von Seiten der Veranstalter bedauerte wurde, schließlich dient die Aktion der gegenseitigen Information und einem besseren Verständnis. Ziel der Veranstaltung ist es u. a., in einem persönlichen Dialog Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. Die Bahn selbst hat jedoch aus der Erfahrung der Vergangenheit mit anderen Denkmalobjekten weder Mittel noch Interesse am Erhalt ihrer Technikdenkmale. Zunächst soll nochmals ein Gespräch mit der DB Netz-AG gesucht werden.

Über die entscheidende Frage einer neuen, für das Gebäude verträglichen Nutzung nach der endgültigen Aufgabe der veralteten Technik, wollen sich Denkmal- und Eisenbahnfreunde in einer Gesprächsrunde demnächst Gedanken machen. So ließe sich das Stellwerk als Anschauungsobjekt insbesondere bei Nostalgiefahrten gut nutzen oder bei Stadtführungen die Geschichte der Gladbacher Eisenbahn und der gewerblich industriellen Entwicklung am Güterbahnhof gut erläutern. Vielleicht lässt sich im Anbau sogar ein Vereinsheim einrichten.

Für die meisten Besucher war die Besichtigung des Stellwerkraumes, in dem die in Längsachse angeordnete Hebelbank der Fa. Scheidt & Bachmann dominiert, der Höhepunkt der Veranstaltung. Von dort werden durch Handbetrieb die Weichen und Signale durch Umlegen von Hebeln bedient. Durch die Geschossdecke und weiter durch den im Erdgeschoss befindlichen Spannwerksraum werden über gewichtbeschwerte Umlenkrollen Drahtseile zu den Weichen und Signalen geführt. Dass diese Technik nach 95 Jahren immer noch in Betrieb ist, spricht für ihre Robustheit und auch der Fahrdienstleiter bestätigte den fast störungsfreien Alltagsbetrieb.


Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V.
Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege

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