Jahresbericht aus dem Arbeitskreis Fachwerk - Denkmal - Stadtbildpflege

Mai 2013 bis April 2014

Von Thomas Klostermann

Sander Hof und Kirchhof – dicht beieinander (Foto M. Dasbach, 7.10.2013)

Wissen und Wertschätzung für unsere historische Baukultur zu schärfen, ist ein wesentliches Anliegen des Arbeitskreises. Daher wurde nunmehr eine Veranstaltungsreihe initiiert, zu der mindestens einmal jährlich ein renommierter Gastredner eingeladen wird, um aus der Sicht des Denkmalschutzes, der Stadtgeschichte, des Städtebaus oder der Architektur jeweils unterschiedliche Aspekte zur Baukultur zu beleuchten. Die Reihe unter dem Motto Denkmalschutz in unserer Stadt wurde eröffnet am 29.3.2014 in der Städtischen Galerie Villa Zanders mit einem Vortrag der Landeskonservatorin und Leiterin des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland Frau Dr. Andrea Pufke mit dem Thema: Denkmalschutz – was ist das und wie geht das?

Bürgermeister Lutz Urbach beteiligte sich mit einem Grußwort, das Publikum hatte Gelegenheit, sich mit Fragen und Anregungen einzubringen.

Bei einem anschließenden Glas Kölsch ergaben sich manch neuer Kontakt und interessante Gespräche.

Denkmal des Monats Oktober 2013, Der Sander Hof

Zur 13. Präsentation eines Denkmal des Monats in Bergisch Gladbach suchten der Rheinische Verein (RVDL) und der Bergische Geschichtsverein (BGV) aus guten Gründen den Sander Hof aus, ein unverzichtbares Zeugnis der Sander Ortsgeschichte. Feiert doch dieser alte Fachwerkhof von 1713 unmittelbar neben dem alten Kirchhof das 300. Jahr seiner Errichtung.

Bereits vor 30 Jahren war sein Denkmalwert durch das Rheinische Amt für Denkmalpflege festgestellt worden. Das Eintragungsverfahren war jedoch auf Grund von Einsprüchen der Eigentümer bis heute nicht abgeschlossen worden.

Der Kirchhof bildet heute mit seinen umliegenden Fachwerkgebäuden und dem 1832 aus Bruchsteinen gemauerten Pfarrhaus den historischen Ortsmittelpunkt und wird gerne von Spaziergängern besucht.

Ziel des Aktionstags 2013 war es, die Öffentlichkeit auf die historische und städtebauliche Bedeutung des Sander Hofs als wesentlichen Teil eines Gesamtensembles aufmerksam zu machen, aber auch auf seine potentielle Gefährdung.

Das Denkmal des Monats Oktober 2012 war die Gohrsmühle - Papierfabrik Zanders

Als Ergebnis der Präsentation hatte der Rat im März 2013 einen Antrag gestellt, das Betriebsgelände der heutigen Metsä Board Zanders GmbH möge auf denkmalwerte Bauten untersucht werden. Mittlerweile erfolgten zwei Begehungen auf dem Fabrikgelände durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland.

Die bisher gesammelten Forschungsergebnisse und Erkenntnisse konzentrieren sich auf einen gut erhaltenen Kernbereich mit Industriegebäuden aus der Zeit um 1900. Aber auch der romantische Wasserturm auf dem Quirlsberg und das zugehörige Pumpenhaus wurden in die Betrachtungen einbezogen. Wegen personeller Veränderungen im LVR-Amt konnte ein abschließendes Gutachten bisher nicht fertig gestellt werden.

Das Denkmal des Monats 2008: Die Gartensiedlung Gronauerwald

In Folge des Aktionstags hatte sich ein Freundeskreis gebildet, auf dessen Initiative bereits im April 2009 ein Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan für die Siedlung gefasst wurde. Dieser sollte ein erstes Sicherungsinstrument zum Schutz der Siedlung darstellen, um einer weiteren Überformung der Siedlung sowie einer unkontrollierten Nachverdichtung entgegenwirken zu können. Anschließend wurde von der Stadt – finanziert von der Regionale 2010 und dem Freundeskreis – ein Gutachten in Auftrag gegeben, das eine umfangreiche Bestandsaufnahme und Bewertung der Gebäude und Freiflächen in der Siedlung vornimmt.

Das Gutachten mündete im Juni 2011 in einer Gestaltungsfibel, die zur freiwilligen Anwendung an alle Haushalte in der Siedlung verteilt wurde. Parallel wurde für einen Teilbereich der Siedlung (An der Eiche, Teile des Gronauer Waldwegs) eine Denkmalbereichssatzung erlassen. Als weiteres Schutzinstrument folgte im März 2014 der Erlass einer ortsteilbezogenen Satzung zum Schutz von Bäumen und Hecken in der Gartensiedlung.

Am 11.2.2014 fand in der Aula des Schulzentrums am Ahornweg eine gut besuchte Bürgerversammlung statt zu dem Thema „Wie geht es weiter mit der baulichen Entwicklung in der Gartensiedlung?“ Denn trotz Bauberatung von Verwaltungsseite im Sinne der Gestaltungsfibel bereiten aktuelle Bauvorhaben von Investoren wegen Fehlens verbindlicher Rechtsmittel immer wieder Sorgen. In der Diskussion setzte sich eine deutliche Mehrheit der Anwesenden für den Erhalt des heutigen Siedlungscharakters ein, sprach sich gegen eine zu hohe Nachverdichtung aus und forderte hierzu verbindliche Vorgaben und Regelungen von Seiten der Stadt. Allerdings war ein Einfrieren baulicher Tätigkeiten mehrheitlich nicht gewollt. Anbauten, Gauben u. ä. an Bestandsgebäuden sollten weiterhin möglich sein.

Hingegen wünscht man sich eine Begrenzung der Geschossigkeit und der Anzahl der Wohneinheiten für Neubauten. Die Verwaltung wird die Anwendung der auf der Bürgerversammlung vorgestellten Instrumente (Bebauungsplan, Erhaltungssatzung, Gestaltungssatzung) vor diesem Hintergrund prüfen und nach der Kommunalwahl dem neuen Rat bzw. Planungsausschuss einen Vorschlag für das weitere Vorgehen unterbreiten.

Denkmal des Monats Juli 2006, Stellwerk Tannenbergstraße

Im achten Jahr nach Feststellung des Denkmalwerts hat der Planungsausschuss am 1. April 2014 die Eintragung des Stellwerks in die Denkmalliste einstimmig beschlossen.

Diesem Beschluss ging nach kontinuierlichen Anfragen des Arbeitskreises bei den Aufsichtsbehörden, zunächst bei der Oberen Denkmalbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises, anschließend bei der Obersten Denkmalbehörde des Landesbauministeriums NRW eine Weisung des Ministeriums an die Stadt voraus. Mit der Eintragung ist die erste Stufe des Denkmalschutzgesetzes NRW abgeschlossen.

Die derzeit in Rede stehenden Verkehrsplanungen wie Straßentunnel und Zweites Gleis müssen das Stellwerk nun planerisch berücksichtigen, falls ihre zeitlich noch unbestimmte Umsetzung erfolgen sollte. Erst dann wird sich in der Abwägung zwischen allen Belangen entscheiden, ob das Stellwerk tatsächlich dauerhaft erhalten bleiben kann. Der Arbeitskreis ist in diesen Fragen zuversichtlich und wird daher gemeinsam mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege, Arbeitskreis Bahnhöfe, mit der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW mbH (BEG NRW) in Kontakt treten, um Möglichkeiten der Umnutzung oder Eigentumsübertragung nach Außerdienststellung des Stellwerks zu finden. Diese Gesellschaft hat mitgeteilt, dass sich die Bahn im Falle der Nichtveräußerung an Private oder die Kommune nicht um die Unterhaltung des Gebäudes bemühen werde, was im Regelfall zu einer Verschlechterung des Gebäudezustands führen würde. Für den Arbeitskreis bleibt also auch in Zukunft noch viel zu tun.

Gasthaus Om Schlöm

Für das Gasthaus Om Schlöm in der Laurentiusstraße haben der Arbeitskreis und der Architekt Dr. Stannek eine Dokumentation zur Geschichte und Architektur als Grundlage für einen Bürgerantrag erarbeitet. Im März 2014 hat der Anwohner Helmut Hamm im Namen zahlreicher Nachbarn einen Antrag mit zwei Anregungen bei der Stadtverwaltung gestellt.

1) Die Verwaltung möge die Straßenfassade gemäß § 2 Abs. 1 und 2 Denkmalschutzgesetz NW, wonach Denkmäler auch Teile baulicher Anlagen sein können, unter Denkmalschutz stellen.

2) Die Verwaltung möge das Fachwerkhaus Om Schlöm mit seiner Lage, seinen Proportionen und seiner Bauform auf der Grundlage der 1992 vom Rat beschlossenen Erhaltungssatzung Innenstadt Bergisch Gladbach insgesamt dauerhaft erhalten.

Der Antrag ist mehrfach begründet und steht am 4.6.2014 auf der Tagesordnung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden. Dann werden auch Unterschriftenlisten vorgelegt.

Der BGV sucht Fotos

Die alte Volksschule in Heidkamp von 1892 mit Erweiterungsbau von 1924 prägt den Ortsmittelpunkt. Sie soll abgerissen werden. Der Arbeitskreis Fachwerk - Denkmal - Stadtbildpflege sucht alte Fotos von vor 1924. Wer kann helfen? (Foto: T. Klostermann, 8.3.2014)