Gasthaus "Om Schlöm"

Fachwerkhaus Laurentiusstraße 88 in Bergisch Gladbach

Foto: T. Klostermann 12.09.2003

Dokumentation

Vorgelegt von:

Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V.,
Eichelstraße 25, 51429 Bergisch Gladbach, Tel. 02204/201684

und

Architekt Dr.-Ing. Norbert Stannek, Mülheimer Str. 110,
51469 Bergisch Gladbach, Tel.: 02202 / 22658

17.2.2014

Ausgangslage:

Das Fachwerkhaus Laurentiusstraße 88 (Gasthaus „Om Schlöm”) wurde 1863 errichtet.

Das Gebäude ist in der Denkmaltopographie "Die Denkmäler des Rheinlandes" aufgeführt (1). In einem 1973 von der Stadt Bergisch Gladbach erstellten Stadtentwicklungsplan (2) (Teil Stadtbild, Denkmäler) ist es ebenfalls erfaßt und darin im farblich hinterlegten, schutzwürdigen Bereich der Laurentiusstraße eigens markiert (Anlage 1, Objekt Nr. 11).

Die Intention der Verfasser des Stadtentwicklungsplanes geht aus der Einleitung hervor: "Die für das Bergische Land charakteristischen Fachwerkbauten werden bald der Vergangenheit angehören, falls für ihre Erhaltung nicht wesentlich mehr Sorge verwandt wird. Abbruch und häßliche Ausbesserungen … lassen das Fachwerk zusehends verschwinden. Der Stadtentwicklungsplan … soll dazu dienen, die wertvollen Baudenkmale … zu katalogisieren, um somit Grundlage für entsprechende Ausweisungen in … Bebauungsplänen … zu sein." (3)

Ende 1992 hat der Rat der Stadt Bergisch Gladbach eine Erhaltungssatzung ´Innenstadt Bergisch Gladbach´ beschlossen (Anlage 2). Darin ist u. a. das Gasthaus „Om Schlöm“ als prägendes Gebäude genannt und abgebildet. Dort heißt es zur Laurentiusstraße: „Der Bereich Laurentiusstraße gibt in Teilen Zeugnis von der ländlichen Siedlungsstruktur, die erst zur Jahrhundertwende durch die Errichtung freistehender Villen oder Doppelhäuser langsam den Charakter einer locker bebauten, wohlsituierten Vorstadt bekam.“

Anfang 2002 wurde das Objekt durch das Rheinische Amt für Denkmalpflege und durch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bergisch Gladbach auf seinen Denkmalwert hin überprüft. Fazit: Ein Denkmalwert nach § 2 DSchG NW konnte für das Fachwerkhaus wegen erheblicher Eingriffe und Veränderungen nicht festgestellt werden. Allerdings heißt in der Ablehnungsbegründung nach Feststellung der Eingriffe auch:

„Die historische Aussagekraft des Gebäudes reduziert sich auf die weitgehend ungestörte, vordere Traufseite und die Gesamtproportionen des Gebäudes.“

Gemäß § 2 Abs. 1 und 2 Denkmalschutzgesetz NW können auch Teile baulicher Anlagen Baudenkmäler sein, z. B. Fassaden. Hier setzt die Intention der Antragsverfasser an. Die straßenseitige Fassade als Teil des Gebäudes könnte unter Schutz gestellt werden, wohingegen die Gesamtproportionen des Gebäudes sich mittels Erhaltungssatzung bewahren lassen. Veränderungen im Inneren und rückwärtigen Teil wären möglich (Begründung s.u.).

Geschichte:

Der Name „Schlöm“ stammt wahrscheinlich vom Schlömer Teich, der sich hinter dem ehemaligen großen und alten Schlömer Hof an der Odenthaler Straße befand und vom Hebborner Bach durchflossen wurde. Hier lagerte sich Schlamm ab, der von den Anliegern in regelmäßigen Abständen ausgehoben werden mußte. (4)

Das Gelände zwischen der Odenthaler Straße und der Laurentiusstraße gehörte zum Hof „An der Linde“, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unmittelbar an der Odenthaler Straße, heute Hausnummer 77, lag. Hier befand sich auch eine Krautpresse zum Herstellen von Apfel- und Möhrenkraut.

Am 17. Dezember 1862 verkaufte Johann Wilhelm Gries von der Mühle zu Unterheiligenhoven (Gemeinde Lindlar) seine Krautfabrik an der Linde zu Schlöm in Bergisch Gladbach für 1.662 Taler, 21 Groschen und 10 Pfennige an Johann Krein (1822-1900), den Eigentümer der Gladbacher Mühle, Land- und Gastwirt sowie Betreiber von Kalköfen. Mit dem Kaufpreis hat Johann Wilhelm Gries 1863 den Bau eines Fachwerkgebäudes auf dem Standort eines kleineren Vorgängerbaus an der Laurentiusstraße finanziert, die heutige Gaststätte „Om Schlöm“. (Anlage 3, Katasterplan von 1827 mit Fortschreibungen).

Die Katasterkarte zeigt, daß die Laurentiusstraße in der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitert wurde. Zu dieser Zeit verlief der Hauptverkehr durch Gladbach nicht unten über die heutige Hauptstraße durch das versumpfte Tal der Strunde, sondern erhöht über die „Schlömer Gasse“, wie die Laurentiustraße im Volksmund damals genannt wurde. Um 1890 war sie noch eine ungepflasterte Straße ohne Bürgersteige mit vielen Schlaglöchern, über die Tag für Tag die schwerbeladenen Kalkkarren von der Schlade in Richtung Köln, ab 1868 bis zum neu angelegten Bahnhof in Bergisch Gladbach, rumpelten (5). Die Funktion als Fuhrmannskneipe ist an zwei noch vorhandenen, eckigen, handgeschmiedeten Eisenkrampen an der Fassade zum Anbinden der Pferde bis heute erkennbar.

1926 und 1930 erfolgten Um- und Anbauten. Heute wird die Gaststätte ´Om Schlöm´ mit seinem kleinen Saal als Veranstaltungsort für Musikveranstaltungen, für Geburtstagsfeiern, Eigentümerversammlungen und Betriebsfeiern genutzt. Der MGV Lyra, der hier 1895 seine Gründungsversammlung abhielt, läßt hier alljährlich seine ´Pengsjonge´ ihren Ausklang feiern.

Beschreibung der straßenseitigen Fassade und der wesentlichen Gebäudemerkmale:

Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude von 1863 mit vier Fensterachsen, mit geringen Achsversätzen zwischen Erd- und Obergeschoß. Typisch für den Fachwerkbau dieser Zeit sind die sichtbaren Balkenköpfe der Erdgeschoßdecke, die schlanken Balkenprofile des Holzfachwerks (Ständer, Streben, Riegel), die relativ hohen Geschosse und das Satteldach, das neu gedeckt, aber ohne störende Aufbauten ist. Das Fachwerk der Straßenfassade ist weitgehend original erhalten und schwarz gestrichen. Die Gefache im Obergeschoß sind verputzt, im Erdgeschoß bestehen sie aus geschlämmtem Ziegelsteinmauerwerk; alle Gefache sind weiß gestrichen.

Alle Fenster im Obergeschoß sind original erhalten. Es handelt sich um Sprossenfenster aus Holz mit weißem Anstrich. Sie sind zweiflügelig, ohne Oberlicht, mit weitgehend alter Verglasung. Am Stulp haben sie einen Wolfsrachen, ihre Stangenverriegelung besteht aus einem Espagnolette-Beschlag. Außen befinden sich einfache Fensterfutter (ohne Bekleidung), unter den Fensterbänken sind profilierte Leisten vorhanden, die an den Enden ausgerundet sind.

In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgten Veränderungen am rechten Giebel, der aus Mauerwerk neu errichtet wurde. Rückwärtig entstand ein Anbau in Fachwerkbauweise. 1926 wurden im Zusammenhang mit der Einrichtung einer Gaststube links im Erdgeschoß zwei Einzelfenster umgebaut. Heute bestehen sie aus zwei nebeneinanderliegenden Holzfenstern mit Kämpfer, Oberlicht, Sprosseneinteilung und Wetterschenkeln.

Die zweiflügelige Haustür stammt ausweislich ihrer Details aus der Zeit um 1930, wie die Profilierungen der Schlagseite, der Füllungsleisten sowie der Zierleisten an der Türbekleidung zeigen.

Begründungen zum Schutz der Fassade und zum Erhalt des Gebäudes:

Architektonische Bedeutung:

Die Straßenfassade ist mit ihrem äußeren Erscheinungsbild architekturgeschichtliches Zeugnis der Fachwerkbauweise in Bergisch Gladbach in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Städtebauliche Bedeutung:

Die Laurentiusstraße mit ihrer Bebauung aus verschiedenen Zeitepochen ist Zeugnis der städtebaulichen, architektonischen und sozialgeschichtlichen Entwicklung Bergisch Gladbachs vom 19. Jahrhundert bis heute. An dieser Straße gibt es z.B. noch zwei Fachwerkgebäude des 19. Jahrhunderts, reich verzierte Handwerkerhäuser im unteren Teil der Laurentiusstraße aus der Zeit um 1900, Villen und Landhäuser von 1900 bis 1914 u.a.

In der Innenstadt von Bergisch Gladbach ist die jahrhundertelange, für das Bergische Land charakteristische Fachwerkbauweise im Stadtbild extrem selten geworden. Das Gasthaus ´Om Schlöm´ prägt mit dieser Bauweise den Straßenzug und bestimmt im positiven Sinn wesentlich das Erscheinungsbild (Blickfang). Hierzu gehören das Gebäude mit seinen Proportionen, die leicht in den Straßenraum ragende Lage und die Fachwerkfassade. Ohne verbindlichen Schutz besteht die Gefahr, daß an der Laurentiusstrasse dieser eine von zwei noch vorhandenen Vertretern einer einst landschaftsprägenden Architektur ebenfalls verloren geht.

Historische Bedeutung:

Es bestehen geschichtliche Bezüge zum ´Hof an der Linde´, zu einer Krautpresse (baulich 1926 noch vorhanden) und zum aufkommenden Rohstoff- und Gewerbeverkehr zu Beginn des Industriezeitalters in Bergisch Gladbach (Fuhrmannsgaststätte, s. Geschichte).

Öffentliches Interesse:

Der Anstoß für eine Erhaltung des Gasthauses "Om Schlöm" kam 2012 aus der Anwohnerschaft, die sich um den Erhalt des Gebäudes sorgte. Gasthäuser, insbesondere als Fachwerkhäuser, sind Orte geselliger Zusammenkünfte, von Festen und Vereinen und von daher in besonderem Maße für die Bürger identitätsstiftend. Das 1974 abgerissene Gasthaus „Zum löstigen Dreck“ ist heute noch im Bewußtsein vieler Bürger mit persönlichen Erinnerungen verbunden, sein Abriß wird bis heute als Verlust empfunden.

Fußnoten

1 Panofsky-Soergel, Gerda: Die Denkmäler des Rheinlandes, Rheinisch-Bergischer Kreis, Düsseldorf 1972, Bd. I, S. 76.
2 Stadtentwicklungsplan, Teil Stadtbild, Denkmäler. Gebundene Broschüre. Arbeitsgruppe: O. Fell, H. Herfurth, G. Klatt; Ausarbeitung: D. Heintz, U.Karsten, P. Kirch. Hrsg. Stadt Bergisch Gladbach, Juli 1973. Das Gebäude ist markiert in einer Flurkarte und abgebildet im Bildteil mit einem Foto.
3 Stadtentwicklungsplan, a.a.O., S. 1.
4 Die geschichtliche Darstellung ist entnommen: Brenner, Hans Leonhard, Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 14, S. 34 f., Bergisch Gladbach 2007.
5 Jux, Anton: Vor hundert Jahren im Bergischen, Bergisch Gladbach 1999, S. 60.