Denkmal des Monats 2013, der Sander Hof

Zum Sander Hof in Bergisch Gladbach-Sand: „Denkmal des Monats“ Oktober 2013

Als Zeugnis der Stadtgeschichte von Bergisch Gladbach dokumentiert der Sander Hof beispielhaft die bautechnische und handwerkliche Entwicklung der Fachwerkbauweise sowie die bäuerlichen Wohn- und Lebensverhältnisse in unserer Region vor exakt 300 Jahren. Dies ist alleine schon Grund genug, ihm im Reigen der noch erhaltenen Fachwerkhäuser in Bergisch Gladbach einen besonderen Stellenwert zuzuweisen. Aber wir haben noch einen weiteren wesentlichen Aspekt anzuführen, der von öffentlichem Interesse ist. Der Sander Hof reicht nämlich weit vor 1713 in eine Zeit zurück, als die Geschichte der ältesten Pfarreien von Bergisch Gladbach noch eng mit jenen Höfen vor Ort verbunden waren, deren Inhaber – wenn sie es nicht schon waren - gerade zu ritterlichem Rang emporstrebten. Außerdem haben wir es einschließlich der umliegenden Bebauung mit einem Ensemble zutun, welches nicht nur den ältesten Teil von Bergisch Gladbach-Sand darstellt, sondern das Stadtbild auch besonders prägt und deshalb insgesamt von hervorragender Bedeutung ist.

Das Bauwerk

Obwohl wir eine unterschiedliche Ziegeleindeckung und ein divergierende Traufhöhe lokalisieren können und auch auf der linken Gebäudeseite eine ungewöhnliche Störung im Fachwerkbild wahrnehmen können, ist das Gebäude trotzdem aus einem Guss und anstelle eines zuvor abgebrannten Vorgängerbaus im Jahre 1713 aufgeschlagen worden. Wir wissen dies auf Grund einer Inschrift, die in einem Türsturz auf der Ostseite des Gebäudes eingeschnitzt wurde.

Aber auch ohne diese Inschrift können wir auf Grund der konstruktiven Merkmale eine Datierung in das 18. Jahrhundert vornehmen. Die Konstruktion zeigt einen Fachwerkbau in Ständerbauweise mit Ankerbalkenzimmerung. Das Fachwerkbild ist ansonsten recht nüchtern angelegt. Es besteht aus der relativ engen Ständerstellung und drei Riegelketten, die annähernd gleichmäßig verlaufen und annähernd quadratische Gefache ausbilden. An den Außenseiten sind geschossweise Streben angeordnet, die mit den Riegeln verblattet und mit Holznägeln gesichert sind. All dies weist auf eine Zimmermannstechnik hin, wie sie im 17. und 18. Jh. üblich war, aber für das Bergisch Gladbacher Stadtgebiet nur noch selten lokalisiert werden kann. Die steil aufsteigende Dachhaut wird durch einen Kehlbalkendachstuhl getragen. Im Inneren darf man, was die originale Bausubstanz betrifft, nicht mehr allzu viel erwarten. In der Regel sind diese Bauten zweihüftig angelegt, d.h., wir haben uns eine mittige Erschließung zu denken. In dieser Flurzone lag das Treppenhaus und auch die Herdstelle. Und daran schlossen sich nach links bzw. rechts die Zimmer an. Sowohl der Sander Hof als auch der vermutlich in den 1820er Jahren errichtete Fachwerkanbau besitzen jeweils einen Gewölbekeller. Jener unter dem Sander Hof dürfte sogar noch auf den Vorgängerbau zurückgehen.

Fazit

Der Sander Hof, erstmals 1349 urkundlich erwähnt und 1713 wegen eines Brandschadens an gleicher Stelle neu errichtet, ist für Bergisch Gladbach-Sand ein überaus identifikations-stiftendes Bauwerk. Schon vor 30 Jahren hat das Amt für Denkmalpflege im Rheinland die Denkmalwürdigkeit erkannt, eine Eintragung in die Liste der Denkmäler ist allerdings nicht durchgeführt worden. Deshalb ist es nun an der Zeit, die Eintragungsvoraussetzungen erneut zu überprüfen und zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen. Außerdem wäre es nicht nur denkmalpflegerisch wünschenswert, sondern auch aus Sicht der Stadtbildpflege unabdingbar erforderlich, das Ensemble um den Sander Kirchhof, nämlich Pfarrhaus des Johann Peter Ommerborn, Ommerbornstr. 41a und Sander Handelshaus (Ommerbornstr. 33) als Denkmalbereich auszuweisen, weil dies nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort ist, sondern wir es gerade an diesem Ort gewissermaßen noch mit einer Häufung von erhaltenswerter bzw. denkmalwerter Bausubstanz zu tun haben, wie sie in Bergisch Gladbach in dieser Form kaum noch existent ist.

Kirchhof und Sander Hof – dicht beieinander

Das freundliche Lokal
für alle Freunde der Lokalgeschichte