Dokumentation zum Wirtschaftshof der Burg Zweiffel

Herrenstrunden 4 in Bergisch Gladbach

Vorgelegt von:
Architekt Dr.-Ing. Norbert Stannek, Mülheimer Str. 110,
51469 Bergisch Gladbach, Tel. 02202 / 22658
und
Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V.,
Eichelstraße 25, 51429 Bergisch Gladbach, Tel. 02204/201684
Februar 2012

Baugeschichte

Der heutige Fachwerkbau mit dem unmittelbar angrenzenden Herkenrather Tor ist wesentlicher Teil der Burganlage Zweiffel.

Beim Fachwerkbau handelt es sich um den früheren Wirtschaftshof. Das eigentliche Burggebäude, um 1663 als Wasserburg errichtet, befindet sich auf der anderen Seite der Straße "Herrenstrunden".(1)

Mit dem Bau dieser Straße durch den Hof in den Jahren 1848/1849 ging der ursprünglich homogene Charakter der baulichen Anlage zwar verloren, er ist aber immer noch erkennbar.

Das Burghaus wurde als Nachfolgerbau für eine im Mittelalter errichtete Burg errichtet, die Stammsitz des Geschlechtes Strune war und im 14. oder 15. Jahrhundert an die Familie Zweiffel kam.

Auf Teilen der Einfriedungsmauern der mittelalterlichen Burganlage wurde später der Fachwerkhof mit einer seiner Längsfassaden errichtet, vermutlich im 18. Jahrhundert. Im Keller des Wirtschaftshofes und des gegenüberliegenden Hauses Nr. 12 ist die alte Burgmauer im Kern weitgehend erhalten.

Dem Bau gegenüberliegend, jenseits des Herkenrather Tores, war bis 1963 ein über Eck angelegter Fachwerkbau vorhanden, in dem sich Ställe befanden. Dieses Gebäude wurde wegen seines schlechten Zustandes durch ein neues Wohnhaus ersetzt (Hs.-Nr. 12).

Die Hofanlage wurde in den 1920-er Jahren erworben von Josef Hambüchen, dessen Nachfahren noch heute im Gebäude Herrenstrunden 4 ansässig sind.

Aus einer am 17. Juli 1928 mit Genehmigungsvermerk versehenen Bauzeichnung, die Bestandteil eines Bauantrages war, gehen geplante Umbaumaßnahmen hervor. Bezeichnet ist der Plan mit "Umbau Haus Jos. Hambüchen Herrenstrunden". Dargestellt sind Grundrisse, Schnitte und Ansichten, siehe Anhang 3.

Von den geplanten Maßnahmen war weniger der zwischenzeitlich als Wohnhaus genutzte Wirtschaftshof (heute Hausnummer 4) mit unmittelbar angrenzendem Nebengebäude betroffen, bei denen einige Fensteröffnungen und Innenwände verändert werden sollten, sondern vielmehr die gegenüberliegenden Stallgebäude. In den Bau unmittelbar neben dem Herkenrather Tor sollten drei Grünfutterbehälter in Form von Silos eingebaut, das vorhandene Stallgebäude um einen vorgelagerten Pferdestall erweitert werden. Die vorgesehenen Veränderungen sind im Plan rot markiert.

Die hiermit vorgelegte Untersuchung beschränkt sich auf den heute zu Wohnzwecken genutzten Fachwerkbau Herrenstrunden 4, der platzbestimmend ist.

Baubeschreibung Fachwerkhof

Der Fachwerkbau ist zweigeschossig und hat ein Satteldach. Zur Rückseite hin ist das Erdgeschoß etwa bis zur halbe Höhe vom Gelände überdeckt. Dort besteht das Mauerwerk im Kern aus der etwa 70 cm dicken alten Burgmauer, die auf der Außenseite nachträglich mit Riemchen aus Grauwacke bekleidet worden ist. Das Fachwerk aus Eichenholz ist schwarz gestrichen, die Gefache weiß.

Wesentlich für das Erscheinungsbild der Fassaden sind die gleichartig gebauten Holzfenster mit Einfachverglasung und Sprossenteilung sowie die grünen Klappläden. Günstig wirkt sich aus, dass im nicht ausgebauten Dach nur wenige Dachfenster vorhanden sind.

Typisch für das frühe 19. Jahrhundert sind die Haustüren mit Bogenmotiven im Oberlicht, die pilasterartige Gestaltung der Türblätter und die beiden flankierenden Seitenfenster.

Nur ein kleiner Teil des Gebäudes ist unterkellert; es gibt einen Kellerraum, der mit einem Tonnengewölbe aus Bruchstein überdeckt ist.

Die Innentüren stammen hauptsächlich aus den 1920-er Jahren und dürften vom damaligen Erwerber Josef Hambüchen eingebaut worden sein.

Auf der Rückseite des Gebäudes ist ein Wappenstein eingemauert, siehe S. 4 der Fotodokumentation. Es handelt sich um das Wappen von Matthias Düsterloh.(2)

Bewertung des Gebäudes

Nach Auffassung der Verfasser ist der ehemalige Wirtschaftshof bzw. das heute als Wohnhaus genutzte Fachwerkgebäude Herrenstrunden 4 denkmalwert.

Wie auch das Herkenrather Tor, das wegen seiner Bedeutung für die Burganlage Zweiffel bereits unter Denkmalschutz gestellt worden ist, ist das Wohnhaus mit seinen Fachwerkfassaden und der darunter befindlichen mittelalterlichen Burgmauer wichtig für das Ensemble Burg Zweiffel.

Das Gebäude ist bedeutsam für die Geschichte und Entwicklung des Siedlungsplatzes Burg Zweiffel. Es werden Anhaltspunkte gesehen für die Notwendigkeit der Erhaltung und Nutzung aus wissenschaftlichen, ortsgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen.

Das Wohnhaus mit seiner davor befindlichen Platzanlage in Verbindung mit dem Herkenrather Tor ist identitätsstiftend für Herrenstrunden.

Unter anderem wegen der mittelalterlichen Burgmauern im Sockel des ehemaligen Wirtschaftshofes ist die Anlage Burg Zweiffel seit 2011 eingetragenes Bodendenkmal. Der Schutzbereich umfasst die Burg Zweiffel, ehemalige Teiche und Gräben, die heute zugeschüttet sind, sowie den ehemaligen Wirtschaftshof.


1 Wesentliche Aussagen zur Burg Zweiffel sind entnommen: Jux, Anton: Die Johanniter-Kommende
Herrenstrunden nebst Pfarrgeschichte. Heimatschriftenreihe der Stadt Bergisch Gladbach, Bd. 2.
Hrsg. vom Kulturamt der Stadt Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 1956, S. 92 ff.

2 Jux, a.a.O., S. 93. Für die Zeit von 1590 bis 1599 ist er als Ratsherr der Stadt Köln nachgewiesen
(S. 96). Ludwig von Metternich und seine Gemahlin Maria von Steinen verpfändeten 1594 ihren Besitzanteil
des Gutes an Düsterloh (S. 95). Offenbar hat er bald darauf seinen Pfandanteil als Eigentum
erworben.

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