Kaltenbroich

Von Manfred Dasbach und Udo Harler

Kaltenbroich gehört mit Heide, Scherpenbach und Schmalzgrube zu Sand. Es waren einmal die bevölkerungsreichsten Sander Ortsteile, die ursprünglich rein landwirtschaftlich orientiert waren. Später arbeiteten viele Bewohner auch in der Papiermühle Dombach sowie im Bergbau in der nahe liegenden Grube Blücher am jetzigen Naturfreundehaus, in der Grube Selma bei Schmalzgrube oder in der Grube Britannia bei Knoppenbissen. Auch Gladbach bot vielfältige Arbeitsplätze in Zeiten der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts mit ihren entstehenden Fabriken.

An einem Haus sehen wir zwei Hausnummern 18 und 27, die 18 ist durchgestrichen – eine Eigenart des Weilers Kaltenbroich. Früher wurden die Hausnummern anscheinend völlig willkürlich vergeben. Besucher und vor allem auch Rettungsdienste mussten sich mühselig durchfragen, bevor sie ein gesuchtes Haus und deren Bewohner fanden. Dieser unhaltbare Zustand wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Neuordnung der Hausnummern beendet.

Die Quelle in Kaltenbroich

Bis weit in die 1950er Jahre hatte Kaltenbroich keinen Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung. Trink- und Brauchwasser lieferte die Quelle. Hier wuschen die Frauen auch ihre Wäsche. Die Fotos der Schautafel zeigen uns, wie die Wäsche danach auf der gegenüber liegenden Wiese in der Sonne gebleicht wurde und die Kaltenbroicher das Wasser für Mensch und Vieh in Eimern nach Hause schleppten. Wer damals oben auf der Höhe wohnte, hatte einiges zu tragen.

Das Wegekreuz Odenthal

Gegenüber von Haus Nr. 33 steht das „Odenthal-Kreuz“. 1831 kaufte Johann Odenthal ein großes Gut in Kaltenbroich und errichtete auf der östlichen Anhöhe ein steinernes Haus. Bald danach erkrankte er an Schwermut und litt unter Depressionen. Darum beschloss er, da ihm auch andere fromme Menschen dazu rieten, als letzten Versuch zur Heilung seiner Krankheit, ein Gelübde zu leisten und ein Kreuz errichten zu lassen. Er verkaufte seinen einzigen Zugochsen, um vom erzielten Erlös mitten in Kaltenbroich das Kreuz mit vier Lindenbäumchen herum aufstellen zu lassen. Unmittelbar nach der Aufstellung des Wegekreuzes besserte sich sein Gesundheitszustand und er lebte noch etliche Jahre in Zufriedenheit.

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An dieser Stelle sei bemerkt, dass im „Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe“ in Bensberg, dem ehemaligen „Heimatmuseum“, ein sehr anschauliches, großes Modell von Kaltenbroich steht, das das Örtchen im Jahre 1910 darstellt.

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Das freundliche Lokal
für alle Freunde der Lokalgeschichte