Denkmal des Monats Oktober 2012 – Gohrsmühle / Papierfabrik Zanders

Von Thomas Klostermann

Blauer Himmel, goldenes Herbstlaub und warmes Licht - ein guter Rahmen für die 12. Präsentation eines „Denkmal des Monats“ in Bergisch Gladbach. Mit der Aktion „Denkmal des Monats“ macht der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) seit vielen Jahren in Köln und Umgebung auf herausragende, unbeachtete oder gefährdete Denkmäler aufmerksam.

Über 100 Besucher, eine Rekordzahl, nutzten die Gelegenheit, sich bei einem Lichtbildervortrag über die Geschichte des Werkes „Gohrsmühle“ und seine bedeutsamen Architekturzeugnisse zu informieren sowie bei einer Führung das Werksgelände dieser historischen Industrieanlage kennenzulernen. Ehemalige „Zandrianer“, Geschichtsfreunde, Freunde der Industriekultur und andere Bürger und Bürgerinnen dokumentierten das hohe Interesse an dem Werk, das wie kein anderes die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach und sein Stadtbild bis heute prägt. Die Namen „Gohrsmühle“ und „Zanders“ begründen den weltweiten Ruf Bergisch Gladbachs als Stadt des Papiers. Hans Wolfgang Zanders sowie weitere Mitglieder der Familie waren ebenfalls gekommen.

Dr. Ulrich Krings, ehemaliger Kölner Stadtkonservator, begrüßte die Gäste im Namen des RVDL im Vortragsraum der heutigen Firma „Metsä Board Zanders GmbH“, der kaum alle Teilnehmer aufnehmen konnte. In einem Vorgespräch hatte die Firma ihre Teilnahme an dem Aktionstag zugesagt, den Vortragsraum dem Verein zur Nutzung angeboten und einer Werksführung zugestimmt. Dafür wurde der Firmenleitung ausdrücklich gedankt.

Bürgermeister Lutz Urbach erinnerte in seiner Begrüßungsansprache an „die Strunde als fleißigsten Bach Deutschlands“ und ihre gewerbliche Mühlenentwicklung, an die Bedeutung des Werkes „Gohrsmühle“ für die Stadt und stellte den inhaltlichen Zusammenhang zur Regionale 2010 her. Diese habe u. a. zum Ziel, Alleinstellungsmerkmale herauszustellen und die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu erhöhen.

Professor Michael Werling, Fakultät für Architektur an der FH-Köln, ging nur kurz auf die Geschichte der Gohrsmühle und der Familie Zanders ein. Im Mittelpunkt standen historische Bauten, so ein kleines Ensemble von Werkbauten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, das sozusagen die Urzelle des Zanders Werkes ausmacht.

An erster Stelle seines Vortrags stand das Verwaltungsgebäude von 1904 am Haupteingang, das mit seiner neobarocken Fassade, fast wie ein Stadtpalais, dem unternehmerischen Repräsentationsbedürfnis diente und mit einer laubenartigen Ahornallee als Achse mit dem damaligen Bahnhofsgebäude verbunden war. Architekt war Otto March aus Berlin, einer der führenden Architekten seiner Zeit. Werling wies auch auf die betriebliche Sozialfürsorge der Familie Zanders hin, die in der Einrichtung einer Badeanstalt im Souterrain und einer kostenlosen Behandlung durch einen Betriebsarzt im seitlichen Pförtnerhaus erfolgreich zum Ausdruck kam.

Beste Industriearchitektur dokumentiert auch das Sortiersaalgebäude von 1894, ein vier geschossiger Ziegelsteinbau, der etagenweise durch Gesimse gegliedert, durch Segment- und Rundbogenfenster belichtet und durch einen vasenbekrönten Mittelrisaliten geschmückt ist. Das beeindruckende Industriebauwerk schrieb er dem eklektizistischen Historismus zu, also einer Zeit, in der Ornamente mehrerer Stilrichtungen mehr oder weniger gemischt verwendet wurden.

Kaum bekannt ist, dass Bergisch Gladbach, die Stadt der Böhm-Bauten, auch ein beeindruckendes Bauwerk des als Kirchenbaumeister bekannten Architekten Dominikus Böhm besitzt. 1930 bis 31 ließ er für Zanders ein gewaltiges Kraftwerk aus Ziegelstein errichten. Dieser Bau vertritt die Architekturrichtung der „Neuen Sachlichkeit“, die sich in den 1920er Jahren als eine für die Industriearchitektur angemessene Formensprache entwickelt hatte.

Bei dem abschließenden Rundgang durch das Werksgelände konnten die im Vortrag erläuterten Gebäude unmittelbar betrachtet werden, Detailfragen wurden beantwortet. Der Rundgang führte auch durch einen formal angelegten Büstengarten, in dem die großen Papierfabrikanten der Familie Zanders, von namhaften Künstlern wie August Wittig und Dominikus Böhm plastisch dargestellt, besichtigt werden konnten. Zum Abschluss der Veranstaltung erfolgte eine Führung zum Pumpenhaus von 1909 und zum Wasserturm von 1905 auf dem Quirlsberg.

Professor Werling appellierte am Schluss seines Vortrages an die Geschäftsleitung, sie möge sich in der Phase des geplanten Umbruchs (Entwicklung eines Paper-Business-Parks) auch mit dieser ehemals bedeutsamen, bisher ungeschützten Bausubstanz beschäftigen. Es müsse ein Anliegen sein, sich nicht nur mit den ökonomischen Werten dieser Gebäude auseinanderzusetzen, sondern dieses bauliche Erbe der Bergisch Gladbacher Stadt- und Industriegeschichte auch zu erhalten und einer geeigneten Neunutzung zuzuführen.

 Verwaltungsgebäude      Brunnen aus Muschelkalk 
 Bürgermeister Urbach   Sortiersaalgebäude    Teilgruppe  
 Teilgruppe  

Vortrag

Den Vortrag von Prof. Michael Werling zum Denkmal des Monats „Gohrsmühle/Papierfabrik Zanderes“ können Sie

DDM 2012 in der Presse