Die Sanierungsarbeiten am "Denkmal des Monats 2010" sind abgeschlossen

Von Thomas Klostermann

 Gedenkstein November 2010   Gedenkstein
Mai 2012 

Einmal im Jahr führt der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz in Kooperation mit dem Bergischen Geschichtsverein Rhein-Berg in Bergisch Gladbach eine Aktion „Denkmal des Monats“ durch. Herausragende, unbeachtete oder gefährdete Denkmäler werden in den Mittelpunkt gestellt.

Im November 2010 war dies der Gedenkstein vor dem mittelalterlichen Fronhof in Herkenrath.

Die Geschichte des Gedenksteins ist unmittelbar verbunden mit dem uralten Herkenrather Fronhof, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Darüber hinaus erinnert er an zwei Herkenrather Persönlichkeiten, deren Wirken für Herkenrath im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung war. Im Jahre 1870 schenkte nämlich der langjährige und segensreich wirkende Pfarrer von Herkenrath, Peter Wilhelm Abstoß, seinem verdienstvollen Mitarbeiter Heinrich Molitor von der Asselborn den Fronhof mit allem Grund und Boden. Warum Molitor den Gedenkstein 1886 errichten ließ, wissen wir nicht genau. Wir wissen aber, dass von den elf Kindern des Ehepaars Molitor nur ein Sohn die Eltern überlebt. Der Gedanke an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens war also allgegenwärtig.

Beim damaligen Aktionstag konnten die Teilnehmer den Stein wegen des Strauchbewuchses und der Veralgung kaum sehen. Die Lindlarer Grauwacke wies erhebliche Schadbilder auf. So hatten sich an den Steinen teilweise oberflächenparallele Schalen und Risse gebildet, Profilteile waren ausgebrochen, die Fugen ausgewittert und die Inschrift war weitgehend abgeblättert. Die Stabilität der aufgesetzten Steinblöcke war nicht mehr gewährleistet.

Ziel der Aktion war es, die am Gedenkstein stattfindenden Schadensprozesse zu stoppen, sowie eine statische Sicherung und fachliche Sanierung einzuleiten. Mittlerweile ist viel geschehen.

Finanzierung

Die Dipl. Restauratoren Stefan Gloßner und Thomas Sieverding erstellten auf der Grundlage einer Schadensanalyse ein Angebot über Kosten in Höhe von 4.700,- €. Der Betrag konnte mit Hilfe eines Zuschusses der städtischen Denkmalpflege, durch Spenden des Bergischen Geschichtsvereins und zahlreicher Bürger sowie durch die Eigentümerin aufgebracht werden. Allen Geldgebern sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Sie machten es möglich, dass dieses kleine Kulturdenkmal wieder etwas von seinem Glanz und seiner Aussagekraft ausstrahlt und für die Zukunft gesichert werden konnte.
Der Eigentümerin sei für ihre Kooperationsbereitschaft besonders gedankt.

Durchgeführte Maßnahmen

Vor Abbau und Reinigung des Gedenksteins mussten alle fragilen Stellen mit Epoxid - Injektionsharz vorgesichert werden. Schalen und Rissbildungen mussten hinterfüllt und verfüllt werden, um weiteren Substanzverlust zu vermeiden.

Auf Grund der statischen Gefährdung wurde das gesamte Denkmal bis zum Sockel in den Einzelteilen abgebaut, die Teile wurden von Mörtelresten gereinigt und mit V4A-Stahldübeln in ein sattes Trasszementmörtelbett neu versetzt bzw. aufgebaut.

Alle Steinoberflächen wurden schonend mit Wasser gereinigt, an intakten Zonen mit einem regelbaren Hochdruckreiniger, an empfindlichen Schadstellen mit Schwamm und Bürste. Dabei blieben die altersgemäße Patina der Steinoberfläche sowie die Farbreste erhalten.

Alle Risse und Schalen wurden vollflächig injiziert bzw. hinterfüllt. Wo möglich, wurden bei genügend großen Rissbreiten und Zugängen mineralische Injektionsmassen verwendet. Nach dem Aushärten wurden die Rissnuten mit einem Restaurierungsmörtel verschlossen. Ebenso wurden die Ränder hinterfüllter Schalen zur Sicherung der Kanten und zur optischen Beruhigung der Oberflächen angeböscht. Dazu wurde ein mineralisch gebundener Restaurierungsmörtel mit sehr feinkörniger Sieblinie verwendet, der in seinen optischen und physikalischen Eigenschaften auf den Naturstein abgestimmt war. Mit diesem wurden auch die ästhetisch besonders störenden Fehlstellen reprofiliert.

Erkenntnisse

Nach Reinigung des Steines kann die Inschrift auf dem Gedenkstein trotz großflächiger Oberflächenverluste infolge der Schalenbildung wieder vollständig gelesen werden. Vor allem im Streiflicht werden die Vertiefungen der Buchstaben auch in den beschädigten Zonen sichtbar. Dies trifft auch auf eine vorher durch eine Überschlämmung unkenntlich gemachte Zone in der ersten Zeile zu. Die Inschrift lautet:


O Herr, ich gedenke an den Tod

Lebe so wie du auf deinem
Sterbebette wünschest ge
lebt zu haben.

In Maria Herz und Jesu Wun
den empfehl ich mich jetzt und
alle Stunden.


Der Nischenstein weist ein Hochrelief einer so genannten Mondsichelmadonna auf. Maria trägt auf dem linken Arm das Kind mit der Weltenkugel und hält in der rechten Hand eine Lilie, das Attribut der Jungfräulichkeit. Sie steht auf einer Mondsichel, die die Vergänglichkeit der Welt andeutet und hat den Fuß auf den Kopf einer Schlange gesetzt, wodurch der Sieg über das Böse zum Ausdruck kommt.

Nach der Reinigung wurden Farbreste sichtbar, deren zeitliche Zuordnung jedoch nicht getroffen werden konnte. Der Hintergrund der flachen Nische war demnach blau. Baldachin, Krone, Lilie und Fibel waren in einem kräftigen Goldockerton gefasst. Überall in den Tiefen liegen noch weiße Farbreste vor, vermutlich die Reste einer Grundierung. Auch die Inschrift weist partiell Reste einer gelben Fassung auf.

All diese Details sind erst nach Freistellung von dem Bewuchs und nach Reinigung des Steins sichtbar geworden. Und noch eine Erkenntnis wurde gemacht. Der halbrunde Aufsetzstein weist oben mittig ein kleines abgebrochenes Metallstück auf, Nachweis eines ehemals aufgesetzten Metallkreuzes.


Bergischer Geschichtsverein
Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege
Juni 2012

 Konsole, Maria, Abdeckstein 2010   Nach der Sanierung 2012 
 Inschriftenstein 2010   Nach der Sanierung 2012 
 Rück- und Seitenansicht 2010   Nach der Sanierung 2012