Mülheim am Rhein in alten Photographien

Bilder aus der Sammlung Lückerath

Ausstellung Anfang Juni bis Ende August 2011
Montags bis Donnerstags von 16:00 bis 19:00
GeschichteLokal des Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V., Eichelstr. 25 (Ecke Falltorstr.),
Bergisch Gladbach (Bensberg)

Die kleine Ausstellung zeigt 25 von Peter Lückerath ausgewählte Fotos unserer ehemaligen Kreisstadt Mülheim am Rhein, dem heutigen Kölner Stadtteil Mülheim. Die in der Ausstellung gezeigten Bilder aus der Zeit vom Ende des 19. Jh. bis zum Ende der 1920er Jahre sollen beispielhaft anhand der Bereiche Mülheimer Freiheit, Wiener Platz und Frankfurter Straße, die von der städtebaulichen Entwicklung, der Verlegung der Bahnhöfe und dem Bau der neuen Rheinbrücke besonders betroffen waren, Veränderungen deutlich machen und Blicke in ein Mülheim ermöglichen, wie es heute vielen unbekannt sein dürfte.

Buchheimer Straße Nr. 70 bis 82
um 1925

Der aus sieben Wohn- und Geschäftshäusern bestehende Block stand auf der Südseite der Buchheimer Straße zunächst noch zwischen den Bahn-anlagen der Köln-Mindener- und der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn. Nach Schließung der Bahnhöfe im Jahre 1909 wurde auf einem Teil der alten Bahnanlage der Clevische Ring angelegt, der an dem links im Bild angeschnittenen, 1913 angelegten Schiffahrtsbrunnen endete. Neben dem Brunnen, an der Ecke Clevischer Ring / Buchheimer Straße entstand zur gleichen Zeit das Kaufhaus Hambitzer.

Um 1910 befanden sich in Haus Nr. 70 das Kinomatographische-Theater von Ernst Wilhelm und August Spitz, später dann die Kreissparkasse, bevor diese in den Neubau gegenüber umzog. In den Nachbarhäusern waren die Gastwirtschaften von Carl Merrettig (Nr. 72) und von Theodor Saal (Nr. 74) sowie die Konditorei Neuhaus (Nr. 76). Die Häuserzeile wurde für die Anlage des Wiener Platzes etwa 1928 niedergelegt.

Im Hintergrund links, an der südlichen Ecke der Frankfurter Straße, das Hotel Dreesen.

Sieberts Eck und Bergisch Gladbacher Straße
um 1930

Die "Gastwirtschaft und Restauration" von Wilhelm Siebert, Frankfurter Straße 1, in Mülheim als "Sieberts Eck" bekannt, lag wie eine Insel in der hier abzweigenden, trichterartig erweiterten Gladbacher Straße. Das zweigeschossige, vielleicht vor 1860 erbaute Haus, das den Krieg überstanden hatte, wurde erst später abgebrochen.

Text in der Ausstellung:

Von Peter Lückerath

Aus Bergisch Gladbacher Sicht ist Mülheim ein Kölner Stadtteil und damit mag man erst einmal gar nichts zu tun haben. Von 1816 bis 1932 war Mülheim aber auch Sitz des Landratsamtes des Landkreises Mülheim aus dem dann, mit Teilen des Kreises Wipperfürth, der Rheinisch-Bergische Kreis entstand. Der erstmals 1151 als "Mulnehim", später auch als "Mulenheym" belegte Ort war über Jahrhunderte der Vorposten der Grafen und Herzöge von Berg gegen die nahe Reichsstadt Köln. So betrachtet rückt dieses (Köln-)Mülheim auch dem Bergisch Gladbacher wieder etwas näher.

Die bergische Freiheit Mülheim nahm seit dem späten 17. Jh. einen sichtbaren Aufschwung, wozu die alte Gegnerin, die Reichsstadt Köln, entscheidend beitrug, indem sie mehrere in ihr ansässige protestantische Kaufleute und Unternehmer zur Übersiedlung nach Mülheim veranlaßte. Neben den Protestanten trugen aber auch in Mülheim ansässige katholische und jüdische Familien durch ihre Gewerbetätigkeit zum Aufschwung bei. Resultat dieses wirtschaftlichen Wohlergehens Mülheims war eine rege Bautätigkeit, die dem Ort ein ganz neues Gesicht gab – das einer niederrheinisch geprägten Kleinstadt.

Die Mülheimer Altstadt, die sich noch um 1840 vom Rhein her nur drei Straßen nach Osten erstreckte und in ihrer Längenausdehnung etwa der Länge der Freiheitstraße entsprach, blieb auch durch das 19. Jahrhundert hindurch, wie Hans Vogts in seiner Arbeit über die Mülheimer Altstadt schreibt, "ein eigenartiges und einprägsames Denkmal geschlossener stadtbaulicher Gestaltung".

1845 kam es zum Bau der Strecke Deutz / Düsseldorf der Köln-Mindener-Eisenbahn, die den östlichen Rand der Mülheimer Altstadt tangierte und hier einen Personen- und Güterbahnhof entstehen ließ. In den Jahren 1867/68 entstand parallel dazu, mit dem Bau der Strecke Deutz / Elberfeld der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn, ein weiterer Bahnhof. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecken trat dieses Symbol des Vorschritts in eine enge Verbindung mit der Mülheimer Altstadt. Es war dann aber auch diese allzu enge Verbindung, die der weiteren Entwicklung entgegen stand. Nach Verstaatlichung der Bahngesellschaften, Anfang der 1880er Jahre, drängte man seitens der Stadt auf die Verlegung der Bahn an den östlichen Rand, der sich schnell vergrößernden Stadt, um so den Raum für ein neues Zentrum zu schaffen, auch wenn dies erst nach der 1914 erfolgten Eingemeindung nach Köln umgesetzt werden konnte.

Zu einer völligen Umstrukturierung des Altstadtbezirks führte in den Jahren 1927 bis 1929 der Bau der Neuen Rheinbrücke, welche die seit 1888 bestehende Schiffbrücke ersetzen sollte - - eine Brücke, so die Planung, die direkt in das neue Zentrum Mülheims am Wiener Platz führen sollte. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen für das historisch gewachsene Mülheim. 1927/28 mußten für den Bau der rechtsrheinischen Brückenrampe Teile der Mülheimer Altstadt niedergelegt werden. Neben dem Verlust historischer Bausubstanz wurde durch diesen zerstörerischen Akt die Altstadt in zwei Teile zerschnitten.

Die neue Verkehrsinfrastruktur bevorzugte eindeutig das "neue" Mülheim, wodurch die Bereiche der Altstadt ins Abseits des wirtschaftlichen Interesses gerieten. Eine beabsichtigte Sanierung der vernachlässigten Bereiche konnte nicht mehr umgesetzt werden, da der von den Nationalsozialisten verursachte "totale Krieg" zur fast völligen Vernichtung des alten Mülheims führte.

Die Bilder der Ausstellung sollen die zuvor beschriebenen Umbrüche und Entwicklungen Mülheims vom Ende des 19. Jh. bis zum Ende der 1920er Jahre beispielhaft anhand der Bereiche Freiheit / Brücke – Bahnanlagen / Wiener Platz – Frankfurter Straße / neuer Bahnhof verdeutlichen.

Das freundliche Lokal
für alle Freunde der Lokalgeschichte