Die Strassers aus Bensberg

Genealogische Ausstellung

Zur Entstehung der Familiennamen Straeßer, Sträßer, Straßer und Strasser im Bensberger Raum

Von Max Morsches

Als Personalien z. B. beim Polizeiverhör werden Vor- und Zuname, Adresse, Beruf, Körpergröße und unveränderliche Kennzeichen, bei Minderjährigen auch die Erziehungsberechtigten notiert.
In einem Dorf wie Herkenrath brauchte man vor 1700 noch keine festen Familiennamen. Bei Taufen, Hochzeiten und Todesfällen bekam man im Kirchenbuch zum Vornamen einen Attributnamen (Beinamen) hinzu. Der bezog sich bei Müller oder Schmilz auf den Beruf, bei Klug, Klein und Schwarz auf eine körperliche Besonderheit bzw. die Haarfarbe oder wie bei John oder Wilms auf den Vornamen des Vaters. Am häufigsten aber waren im Bergischen geographische Namen wie Eschbach oder Ommer.

„Von Bensberg" hieß man nur, wenn man von Bensberg weg z. B. nach Köln gezogen war, weil man dort einzelne Bensberger Höfe nicht kannte. Als mein (6xUr-)Opa Anton 1677 im Herkenrather Hof Straßen geboren wurde, nannte der Pfarrer im Taufbuch als seine Eltern: Gerhard „zur Straßen" und Elisabeth. Noch heute heißt die Straße am Geburtshaus von 1677 „Straßen". Die Wirtschaft, die Mitte des 19. Jahrhunderts hier entstand, war über Jahrzehnte der „Straßer Hof und heißt heute „Hotel Hamm".

Solange einer Müller hieß, der Müller war, war das ein Attributname. Erst wenn einer Schneider war und immer noch Müller hieß, war daraus ein Familienname entstanden. In Herkenrath und Bensberg begann die Entstehung der Familiennamen etwa um 1700. Sie war um 1770 weitgehend abgeschlossen. In Köln brauchte man wegen der großen Einwohnerzahl Familiennamen schon ab etwa 1300.

Als unser Anton 1708 in Bensberg den Sohn Bernhard taufen ließ, war „zur Straßen" bereits sein Familienname. Mit Attributnamen müsste er „von der Straßen" geheißen haben. Bernhards Sohn Anton heiratete am 18. September 1760, also vor 250 Jahren, als „zur Straßen". In den Taufeintragungen seiner sechs Söhne 1763 bis 1775 hieß er aber auch „Straß" bzw. „Straßen". Um 1770 entfielen für Nicht-Adelige die Präpositionen wie „zur" oder „von" beim Namen. Die gab es nur noch für den Adel.

Man könnte meinen, dass 1810 mit Einführung der Standesämter im Bergischen Land die Namensbildung abgeschlossen war. -Aber, weit gefehlt! Um 1840 wurde beim Bensberger Zweig der Familie aus „Straßen" der Name „Straßer". Zur gleichen Zeit entwickelte sich in Herkenrath der mit langem „a" ausgesprochene Name „Straeßer" (mit „a" und sogenanntem Dehn-„e"), wie er zuvor schon beim Rösrather Zweig der Familie gebräuchlich war. Aus „Straeßer" wurde später „Sträßer".

In Bensberger Standesamtsurkunden zum Namen Sträßer stellte das Amtsgericht Bensberg 1946 in einer Randnotiz fest, der Name „Sträßer" sei falsch und müsse richtig „Straßen" sein. Geändert hat die Notiz nichts. Die Leute nennen sich heute noch „Sträßer".

Man könnte nun meinen, dass sich wenigstens im 20. und 21. Jahrhundert kein Name mehr ändern konnte. - Auch falsch!

Da alte Schreibmaschinen keine „ß"-Taste hatten, schrieb man auch „Strahser" oder meist kurz gesprochen „Strasser", vor allem, wenn nur Großbuchstaben geschrieben wurde: „STRASSER". Mein Vetter Bernd fiel aus allen Wolken, als der Standesbeamte bei seiner zweiten Hochzeit 2007 an seiner Unterschrift herummäkelte. „Sie heißen nicht ,Strasser' sondern ,Straßer'." Bernds Vater Rudi hatte sich wie meine Mutter Mia immer „Strasser" genannt, während Franz, der Bruder von beiden, beim traditionellen „Straßer" geblieben war.

Das freundliche Lokal
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