Denkmal des Monats Oktober 2004

Von Thomas Klostermann, 2005

Malteserkomturei Herrenstrunden

Das Schild an der Straße weist zwar noch auf die vier Sterne des ehemaligen Hotels „garni" hin, doch in der Realität sind sie seit zwei Jahren erloschen. Der Pächter des Hotelbetriebs musste Insolvenz anmelden, seitdem steht das markante Gebäude an der Durchfahrtsstraße in Herrenstranden leer. Nichts schadet einem Denkmal mehr als Leerstand, der Verfall setzt rasch ein und treibt die Sanierungskosten in die Höhe. Um dem vorzubeugen und wegen seiner herausragenden Bedeutung für die Stadtgeschichte, wählten der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie die Abt. Rhein-Berg des Bergischen Geschichtsvereins das Gebäude zum Denkmal des Monats.
Ca. 50 interessierte Besucher waren gekommen, um sich über die Geschichte und die aktuelle Situation der Malteserkomturei zu informieren und um über Perspektiven für eine nachhaltige und sensible Entwicklung nachzudenken. Nach einleitenden Worten der Veranstalter hielt Dr. Eva Kistemann einen umfassenden Fachvortrag zur Historie der Johanniter/Malteser in Herrenstrunden, in dem auch die überregionale Stellung der Komturei deutlich wurde.

Historie

Italienische Kaufleute gründen 1084 in Jerusalem ein Hospital zur Aufnahme und Pflege christlicher Pilger. Nach der Eroberung Jerusalems 1099 entsteht daraus ein Orden, der sich unter den Schutz des Heiligen Johannes des Täufers stellt, der Johanniter-Orden. Seine Aufgabe ist die Krankenpflege der Pilger, ihr ritterlicher Schutz und die Verteidigung der Heiligen Stätten. Ihre soziale Gliederung unterscheidet Ritter, Priester und dienende Brüder. 1530 weist Kaiser Karl V. dem Orden die Insel Malta als kaiserliches Lehen zu, seitdem bürgert sich der Name Malteser-Orden ein. Napoleon zwingt 1798 den Orden zum Verlassen der Insel Malta, der damit praktisch sein Staatsgebiet und seine politische Macht verliert. 1834 wird Rom neuer Sitz des Ordens, 1852 erfolgt die Wiederbegründung eines evangelischen Zweigs, der auf den alten Namen zurückgreift und sich Johanniterorden nennt. Nur fünfzig Jahre nach Stiftung des „Hospitalordens vom Heiligen Johannes" sind Ordensbrüder im Rheinland zu finden, zuerst in Duisburg. Im Bergischen Land ist Burg an der Wupper die erste Niederlassung. Deren Bedeutung tritt später hinter die von Herrenstrunden zurück, das im 14. Jahrhundert als nach Heitersheim zweitgrößte Komturei Deutschlands die Führung des Ordens am Niederrhein und im Bergischen Land übernimmt.
Schon vor 1224 wird dem Hospital des Heiligen Johannes die Kirche zu Herkenrath übertragen. Anscheinend ist der Orden schon zu diesem Zeitpunkt in Herkenrath vertreten. Er sucht von dort eine neue Ansiedlungsmöglichkeit, die er im geschützten Tal der Strunde in der Nähe ihrer Quelle findet. Genaues über den Gründungszeitpunkt der Herrenstrundener Kommende ist nicht bekannt, aber schon 1270 wird die „Übertragung einer Rente an die Johanniter zu Herrenstrunden" erwähnt. Und 1328 ist die Kommende, also die gesamte Gebäudeanlage der Herren an der Strunde (Herrenstrunden), Ordens-Balley und damit Zentralstelle für die Verwaltung einer Ordensprovinz. Der Leiter einer Kommende ist der Kommendator, Kommandeur oder Komtur, der einer verdienstvollen adligen Familie entstammen und sich als Ritter bewährt haben muß. Dies erklärt, warum Herrenstrunden in der historischen Literatur immer auch als Rittersitz bezeichnet wird. In der Folge werden zahlreiche, teils weit verstreut liegende Besitzungen, Güter und Ländereien erworben. Die Abgaben der zugeordneten Pachthöfe werden gesammelt und die erwirtschafteten Überschüsse sind an die Ordenszentrale weiterzuleiten. Deutlich wird, dass Herrenstrunden ein Knoten in einem Versorgungsnetz von kontinentalem Ausmaß ist.
1806 werden die Kommende und ihre zahlreichen Güter im Rahmen der Säkularisation vom Staat übernommen. Die darauf folgende Vernachlässigung der Gebäude führt 1821 zu Überlegungen, die Komturei wegen der hohen Reparaturkosten abzureißen und mit dem Baumaterial die benachbarte Kirche zu sanieren; doch dazu ist es auf Grund von Einsprüchen nicht gekommen. Die über Jahrhunderte gewachsene Anlage, bestehend aus Komturei (Wohnhaus des Komturs), Kirche, Wirtschaftshof und Wasseranlagen, wurde 1848-52 beim Bau der Landstraße von Gladbach nach Spitze durchschnitten, so dass der imposante und wehrhafte Eindruck der Gesamtanlage verloren ging. Der Wirtschaftshof, auch Mistenhof genannt, weil der Mist der dort versorgten Tiere der Kommende als Dünger zur Verfügung stand, verschwand um 1960 und wurde durch einen Parkplatz ersetzt. Die Komturei, bei alten Herrenstrundenern noch „Burg" genannt, ist Anfang 1945 durch einen Brand, der in der Räucherkammer auf dem obersten Speicher entstanden ist, bis auf die Außenmauern zerstört worden. Die Wiederherstellung nach altem Vorbild erfolgte 1945 bis 1950 durch die Eigentümerfamilie Josef Brochhaus und Maria geb. Höller aus Kürten-Olpe. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen ist der große, seitlich gelegene Scheunenbau entstanden, der zunächst landwirtschaftlich genutzt wurde, heute aber im Obergeschoß eine Pächterwohnung und ein Ingenieurbüro beinhaltet sowie im Erdgeschoss Pferdeboxen. Der rückwärtige Holzpavillon mit Restaurantbetrieb und die offene Reithalle entstanden 1974 durch den Bauunternehmer und Eigentümer Jakob Hehn. Heute ist der Architekt Wolfgang Graner Eigentümer der Malteserkomturei.

Gebäudebeschreibung

Bei der Komturei handelt es sich um ein zweigeschossiges, verputztes Bruchsteingebäude, das in seinem heutigen Erscheinungsbild Anfang des 17. Jahrhunderts entsteht. Das steile Krüppelwalmdach ragt auf Knaggen vor. Fünf kleine Gauben je Dachseite verteilen sich über drei Etagen, auf der untersten Etage befindet sich in der vorderseitigen Mittelachse eine deutlich größere Gaube mit verschiefertem Giebel und zwei Fenstern sowie einem weißen Malteserkreuz auf der Verschieferung. Auf der östlichen Traufseite befindet sich der Haupteingang. Das von zwei Säulen flankierte Barockportal trägt auf dem Türsturz die Jahreszahl 1684 und die Initialen J.C.P., die bisher nicht gedeutet werden können. Mit der Entfernung der rotweißen Schlagläden, die wegen ihres morschen Zustands vor einiger Zeit aus Sicherheitsgründen eingelagert werden mussten, hat das Gebäude ein wichtiges Element seines charaktervollen Gesichts verloren. Ein kleiner Balkon an der südlichen Giebelseite des ersten Geschosses musste ebenfalls entfernt werden.

Aktuelle Problematik und Perspektiven

Bei der Aktion „Denkmal des Monats" haben die Veranstalter auf die aktuellen Probleme des Denkmals hingewiesen. Seit ungefähr zwei Jahren wird das Komturhaus nicht mehr als Hotel genutzt und ist unbewohnt. Es steht unter Zwangsverwaltung. Dem Verwalter wurde nahegelegt, das Gebäude trotz Leerstand während der Wintermonate zu heizen, um Feuchtigkeitsschäden am Gebäude, aber auch an der Innenausstattung, die noch vollständig erhalten ist, zu vermeiden. Weitaus problematischer sind die bereits vor längerem festgestellten Schäden am Dach. Es liegen zwar Kostenvoranschläge für eine Dachreparatur, ja sogar für eine Erneuerung des Dachs vor, zu einer Entscheidung oder Beauftragung ist es bisher jedoch nicht gekommen. Der Grund liegt darin, dass ein neuer Eigentümer oder Pächter noch nicht gefunden werden konnte. Bei der Suche nach einer neuen Nutzung gab es in der Vergangenheit Bauabsichten, die nach Abriss der Reithalle und des Pavillons sowie einer Renovierung der Komturei eine dichte Neubebauung des Grundstücks mit Einfamilienhäusern vorsahen. Solche Pläne passen jedoch kaum in die lockere Bebauung von Herrenstrunden und sind bisher von der Stadtverwaltung zurückgewiesen worden. Die Bezüge zu den historischen Gebäuden Malteser-Mühle, kath. Pfarrkirche und Pastorat müssen erhalten bleiben und auch das Orts- und Landschaftsbild des Strundetals sollte keinen Schaden erleiden. Neben der Beachtung denkmalpflegerischer Belange im unmittelbaren Umfeld, sollte auch dem Baudenkmal selbst im Zuge einer Neunutzung eine sensible und denkmalgerechte Renovierung zukommen.
Die bisherige Nutzung mit den Bereichen Gastronomie, Hotel und Reiterhof ist auch für die Zukunft sicherlich eine wünschenswerte Lösung, die um den Aspekt „Kultur" in Form von Veranstaltungen und Ausstellungen erweitert werden könnte. Dabei bietet das geplante Projekt „Kultur- und Landschaftsachse Strunder Bach" im Rahmen der „Regionale 2010" deutliche Standortvorteile. Ziel dieses geplanten Regionale-Projekts ist es, die zahlreichen landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten entlang der Strunde stärker herauszustellen und mit Hilfe der Touristik-Verbände auch überregional in Form von Wochenendangeboten auch über das Internet zu vermarkten.
Aber auch andere Lösungen wurden bei der Veranstaltung vorgeschlagen, so z. B. eine Erweiterung der Hotelbettenzahl durch einen Neubau auf der Fläche der Reithalle. Selbst die unterhalb gelegene, breit gelagerte Malteser-Mühle, die derzeit zum Verkauf ansteht, könnte als Dependance mit eigenem Flair als Hotel genutzt werden. Sozialeinrichtungen z. B. eine Hospizstation sind denkbar, allerdings nicht unproblematisch mit Blick auf den notwendigen Umbau. Doch vor all diesen Überlegungen steht an erster Schritt die umgehende Reparatur des Dachs. In dieser Hinsicht spielt der Faktor „Zeit" eine entscheidende Rolle. Es ist diesem herausragenden Baudenkmal zu wünschen, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern, dass sich für dieses einzigartige Denkmal bald ein Liebhaber findet, der es erhält und mit Leben füllt.

Quellen

Heribert Becker; Siedlungsgeschichtliche Untersuchungen im südlichen Bergischen Land - Die Gestaltung ländlicher Siedlungstypen der vorindustriellen Zeit durch Sozialverfassung und Naturraumgefüge, Dissertation Köln 1980 (Text- und Tafelband)

Anton Jux, Die Johanniter-Kommende Herrenstrunden, Bergisch Gladbach 1956

Anton Jux, Zum Jubiläum der Johanniterkommende Herrenstrunden, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 1999, S. 47 ff, Auszug aus Vorigem

G. Panofsky-Soergel, Die Denkmäler des Rheinlandes, Rheinisch-Bergischer Kreis l, Düsseldorf 1972, S. 83

Heinrich Rembold; mündliche Mitteilungen vom 4.2.2005

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