Denkmal des Monats Oktober 2009

Das Kinderdorf Bethanien in Bergisch Gladbach Refrath

Von Thomas Klostermann

Von den vier Bergisch Gladbacher Bauten des weltweit anerkannten Architekten Gottfried Böhm stehen drei unter Denkmalschutz: das Rathaus Bensberg, die Herz-Jesu-Kirche in Schildgen und das Bürgerhaus „Bergischer Löwe“, nicht jedoch das Kinderdorf Bethanien am Rande des Königsforstes im Ortsteil Refrath. „Zu Unrecht“ befanden der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der Arbeitskreis „Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege“ des Bergischen Geschichtsvereins. Sie kürten das „Dorf“ zum „Denkmal des Monats Oktober 2009“.
Die Bethanien Kinder- und Jugenddörfer wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der holländischen Kongregation der Dominikanerinnen von Bethanien begründet, die sich ursprünglich der Kriegswaisen annahm. Heute betreut die Organisation vorwiegend Sozialwaisen, also Kinder, die aus verschiedensten Gründen nicht bei ihren Familien aufwachsen können. Das pädagogische Konzept sieht im Gegensatz zur Heimerziehung ein Leben in familienähnlichen, weitgehend selbständigen Gruppen vor. In den letzten Jahren kamen „Heilpädagogische Tageseinrichtungen“ hinzu.

Im Jahre 1962 schrieb die holländische Kongregation der Dominikanerinen von Bethanien mit Sitz in Venlo/NL einen Wettbewerb aus, den der Kölner Architekt Gottfried Böhm als Sieger gewann. Schon im Grundriss ist zu erkennen, dass Böhm eine lebhaft Fassadengestaltung durch polygonale Brechung der Grundrißlinien anstrebt. In seinem Konzept erfolgt die Erschließung des Kinderdorfes über eine Ringstraße, die schlaufenartig an den zehn Wohnhäusern und dem Kindergarten vorbeiführt, um sich schließlich zu einem Dorfplatz zu erweitern, in dessen Mitte die stark plastisch geformte Kirche liegt. Die Planung betont den Charakter eines Kinderdorfes, das individuelle Entwicklung und gemeinschaftliches, dörfliches Leben ermöglicht sowie den Kindern das Gefühl der Geborgenheit und eines Heimatortes gibt.

Die zweigeschossigen Wohnhäuser sind ihren Bewohnern entsprechend kleinmaßstäblich und mit einem seitlich angeordneten Hof zum Spielen sowie einem Bezug zur Ringstraße und dem ,Dorf‘-Anger angeordnet. Als Material wurde vorwiegend rotes Ziegelmauerwerk im Wechsel mit Sichtbetonelementen wie Wasserspeiern, Fensterstürzen und kleinen Erkern verwendet. Die Vorderfronten der Gebäude sind durch eine durchgehende Mauer miteinander verbunden, so dass der Eindruck einer geschlossenen Bebauung entsteht.

So wie das Kinderdorf von Wohnhäusern gefasst wird, umschließen Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude ringförmig den Dorfplatz mit der zeltförmigen Kirche aus grobkörnigem Sichtbeton. Der untersetzte Kirchturm ragt nur im Ansatz mit den spitzen Zacken des kristallin gebrochenen Kirchendaches über die profane Bebauung hinaus.
Der Innenraum stellt sich nahezu symmetrisch dar. Bestimmend sind die grauen, winklig aneinander anschließenden Betonflächen der Wände und der Decke, die sich nur in ihrer Oberfläche hinsichtlich der Verschalungstechnik und der Körnigkeit des Betons unterscheiden. Die farbkräftigen Fenster mit ihren gegenständlichen Motiven hat Böhm selbst entworfen.

Bisher haben Orden und Dorfleitung alle Sanierungsarbeiten und Erweiterungsbauten in Kooperation mit dem Architekturbüro Böhm vorbildlich durchgeführt und somit einen ungestörten Eindruck der Anlage bewahren können. Ziel des Aktionstages am 20.Oktober war es, auf den herausragenden Wert dieses in sich geschlossenen Ensembles aufmerksam zu machen und das öffentliche Bewusstsein für diesen kreativen und phantasievollen Entwurf renommierter Nachkriegsarchitektur zu schärfen. Der Arbeitskreis setzt sich dafür ein, diese noch stimmige Gesamtanlage durch Eintragung in die städtische Denkmalliste nachhaltig zu sichern.

Bilder von der Vorstellung des Denkmal des Monats 2009

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