Papierherstellung im 18. Jahrhundert

Herbstausstellung Oktober und November 2009

Gezeigt werden 18 Kupferstiche aus einer französischen "Encyclopedie" des 18. Jahrhunderts

Die "Encyclopedie"

Zu Ende des 17. Jahrhunderts war die Zeit reif zur Herausgabe der ersten Lexika, in denen man das inzwischen stark angewachsene Wissen systematisch zu erfassen suchte. Vorläufer hatte es aber bereits in der Antike gegeben. Das größte damalige Lexikon, übrigens in deutscher Sprache, war das von Johann Heinrich Zedler, das von 1732 bis 1750 in 64 mächtigen Bänden herauskam. International hat es aber wegen der deutschen Sprache und der verwendeten FrakturschrLft wenig Aufmerksamkeit gefunden.
Größere Beachtung fand die englische "Cyclopedia, or , an universal Dictioaary of arts and sciences" von Ephraim Chambers, das der französische Verleger Le Breton übersetzen, erweitern und um einen Tafelband ergänzen wollte.

Unter der Herausgeberschaft von Jean Le Rons d'Alembert und Denis Diderot entstand aus der anfänglichen Übersetzung jedoch ein neues, weit umfangreicheres Werk, an dem rund 160 namhafte Autoren der Aufklärung (Voltaire, Rousseau, Montesquieu u.a.) beteiligt waren. Das antiklerikale und antiabsolutistische Werk fand erbitterte Widersacher in der Kirche, vor allem bei den Jesuiten und Papst Clemens XIII., denen es 1759 gelang, nach dem Erscheinen des siebten Textbandes das Unternehmen zu stoppen. Da zu dem Zeitpunkt der wirtschaftliche Erfolg schon so groß war, dass auch die französische Staatskasse davon merklich profitierte, konnte weiter an dem Werk gearbeitet werden, teilweise außerhalb von Paris. Bis 1780 kamen 35 Bände zusammen. Neu war auch die Herausgabe der Tafelbände im Folioformat, die vor allem von Diderot betreut wurden. Insgesamt gab es 11 Foliobände mit 2885 Tafeln.

Bis 1789 stieg die Gesamtauflage auf 24.000, eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass damals nur handgeschöpftes Papier zur Verfügung stand und jede Seite mit der Hand gesetzt und gedruckt wurde.

Der große Erfolg des Werks, von dem Robbespierre sagte, es sei das "Einleitungskapitel der Revolution" gewesen, führte zu weiteren Ausgaben mit z. T. verkleinerten Tafelbänden, für die die ohnehin abgenutzten Druckplatten neu gestochen werden mussten, und etlichen Raubdrucken.

Verkauft wurden nur ungebundene "Lieferungen", deren Einband von den Abonennten selbst in Auftrag gegeben werden musste.
Die in dieser Ausstellung gezeigten Tafeln über die Papierherstellung sowie das Marmorieren von Papier dürften aus einer frühen Auflage stammen. Zum Vergleich werden noch zwei Tafeln über die Kalkbrennerei gezeigt, die wesentlich kleiner als die Originaltafeln und noch unbeschnitten sind, also gar nicht gebunden waren. In der Originalausgabe ist im übrigen nur eine Tafel zur Kalkbrennerei enthalten und zwar im Teil über die Landwirtschaft.

Das freundliche Lokal
für alle Freunde der Lokalgeschichte