"Kampf dem Atomtod!"-Bewegung vor 50 Jahren

150.000 Menschen protestierten

Fast 150.000 Menschen protestierten am 17. April 1958 vor dem Hamburger Rathaus gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr.

Die Hamburger Kundgebung - eine der größten nach dem Zweiten Weltkrieg - war Teil einer deutschlandweiten Kampagne, die sich unter dem Motto "Kampf dem Atomtod!" gegen die Stationierung von Atomwaffen wandte. Der damalige Erste Bürgermeister, Max Brauer (SPD), stellte sich an die Spitze der Proteste: Als Hauptredner auf der Kundgebung forderte er die Durchführung einer Volksbefragung. Bereits ein Jahr zuvor hatten 18 prominente deutsche Kernphysiker mit der sog. Göttinger Erklärung vehement gegen die Verharmlosung der atomaren Bedrohung protestiert.

Quellen:

Unter dem Motto "Kampf dem Atomtod!" protestierten am 17. April 1958 fast 150.000 Menschen in Hamburg gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr.
Foto: Staatsarchiv Hamburg
Die Proteste richteten sich gegen die CDU/CSU geführte Bundesregierung, die die Stationierung von Atomwaffen befürwortete.
Foto: Staatsarchiv Hamburg

Das weltpolitische Klima 1958 war geprägt von der auf Konfrontation zielenden Haltung der beiden Supermächte USA und Sowjetunion. Die abschreckende Wirkung atomarer Waffen führte seit einigen Jahren zu einem atomaren Wettrüsten zwischen Warschauer Pakt und Nato-Staaten. In Europa, dem Hauptschauplatz des so genannten Kalten Krieges, löste dies eine kontrovers geführte Kernwaffendebatte aus.

Italien und die Benelux-Länder lehnten atomare Kriegstechnik rigoros ab - im Wissen, keinen Einfluß auf die Politik der Supermächte ausüben zu können. Großbritannien und Frankreich führten Atomtests durch und verfügten bereits über geringe Kernwaffenarsenale. Nach dem Willen der Adenauer Regierung mit Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sollte auch die Bundeswehr mit atomaren Waffen ausgerüstet werden.

In der Bevölkerung formierte sich breiter Widerstand gegen die Aufrüstung mit Kernwaffen. Atomwaffengegner verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen mit namhaften Repräsentanten schloßen sich zusammen und demonstrierten gegen das atomare Wettrüsten. In England fanden die ersten Ostermärsche statt und auch in West-Deutschland fanden initiiert vom Aktionsbündnis ?Kampf dem Atomtod? Großdemonstrationen gegen die Aufrüstung mit Kernwaffen statt.