Denkmal des Monats Dezember 2001

Bericht des Arbeitskreises Fachwerk des BGV von 2002

Fachwerkhaus Romaneyer Straße 34

Dörflicher Ortsrandcharakter

Kommt man von Norden aus Richtung Altenberg/Odenthal, so bildet der Ortsteil Hebborn eines der Tore nach Bergisch Gladbach. Von der erhöhten Ferne bietet sich ein Blick mit noch weitgehend intaktem Übergang von der Landschaft zur Ortschaft. Die Silhouette wird geprägt von der Kirche "Heilige Drei Könige", historischen Fachwerkhäusern, verputzten Bruchsteinhäusern, Schuppen, Scheunen und einer überwiegend maßvollen und maßstabgerechten Nachkriegsbebauung. Eingebettet in die Landschaft, umgeben von Wiesen und bewaldeten Hängen, hat Hebborn seinen über Jahrhunderte gewachsenen, dörflichen Ortsrandcharakter überwiegend bewahren können. Diese Qualität gilt es in unserer schnelllebigen Zeit den nachfolgenden Generationen zu erhalten. Das Fachwerkhaus Romaneyer Str. 34 mit der noch ablesbaren Hofsituation spielt in dieser Situation eine herausragende Rolle.

Geschichte des Hauses

"An Gottes Segen ist alles gelegen - Wilhelm Kipen Eva seine Frau Anno 1697" steht auf dem Türsturz, eingebaut in der Giebelwand des Fachwerkhauses an der Romaneyer Str. 34. Entstehungsjahr und Bauherr sind uns somit überliefert. Das über 300 Jahre alte Bauerngut gehört zu den ältesten Gebäuden im Stadtgebiet. An Hand der Bautechnik z.B. den z.T. sehr kleinen und unregelmäßig verteilten Fenstern, den Fußstreben innerhalb der Gefache und der giebelständigen Ausrichtung zur Straße wird eine begrenzte Phase in der Entwicklung des Fachwerkbaus dokumentiert. Der zweigeschossige Ständerbau mit verziertem Kopfrähm und frischem Eichenholz weist zudem auf einen gewissen Wohlstand der Erbauer hin.

Die Geschichte dieses 300 Jahre alten Bauerngutes ist verknüpft mit dem nur 400 m entfernt liegenden herzoglichen Hebborner Hof, auf dem seit 1481 das Hofgericht tagte. Als eines von zahlreichen umliegenden Streugütern war es dem Hofgericht lehnpflichtig, das heißt, der Eigentümer erkannte durch die Zahlung einer Geldsumme an, dass er nicht ganz im Besitz des Gutes war, sondern dem Landesherrn, also dem Herzog von Berg, untertänig war.

Um 1800 bestand ganz Hebborn, also Unter- u. Oberhebborn aus ca. 20 Häusern. Es war mit Hand und Nussbaum einer der größten Weiler im Gladbacher Gebiet, größer als Gladbach selbst. Der Weiler lag verkehrsgünstig an der alten Heerstraße von Mülheim nach Wipperfürth. Wegen der zahlreichen Niederschläge und den fruchtbaren Lössböden bot diese Gegend gute Bedingungen für die Landwirtschaft. Um 1790 war das Gut im Besitz von Mathias Reckum, dem Verwalter des Rittersitzes Haus Haan in Köln-Dünnwald. Er betrieb einige Kalköfen in Paffrath und Osenau. 1812 kaufte das Gut der Landwirt Georg Johann Kirch aus Hüffen bei Wipperfeld. Später kaufte es der Pächter des Hebborner Hofes, Ludwig Krämer, dessen Nachfahren noch heute Eigentümer sind. Die Landwirtschaft wurde um 1960 endgültig eingestellt. Seit dem 9.5.1985 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Sachstand

Das Fachwerkhaus wird "Denkmal des Monats Dezember 2001"

In einer gemeinsamen Aktion machten der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) sowie der Bergische Geschichtsverein Abt. Rhein-Berg (BGV) auf den drohenden Verfall des denkmalgeschützten Fachwerkhauses in Bergisch Gladbach-Hebborn an der Romaneyer Str. 34 aufmerksam. Beim Ortstermin am 7.12.2001 ernannten die beiden Vereine das historische Bauerngut aus dem 17. Jahrhundert zum "Denkmal des Monats". Vereinsmitglieder, zahlreiche Bürger und der Eigentümer waren der Einladung gefolgt. Als offizieller Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach nahm der stellvertretende Bürgermeister, Herr Karl Hubert Hagen, an der Zusammenkunft teil.

Der Interessenskonflikt, einerseits das Denkmal zu erhalten, andererseits das gesamte Grundstück wirtschaftlich zu nutzen, wurde beim Ortstermin deutlich. Der rechtsgültige Bebauungsplan weist "Allgemeines Wohngebiet" aus, d.h. Wohnnutzung muss bei einer Bebauung vorherrschen. Der Eigentümer möchte das Grundstück großflächiger nutzen und einen Super-Markt errichten; dann wäre er bereit, das Baudenkmal zu restaurieren. Zwischen diesen beiden Gegensätzen gilt es zu vermitteln. Herr Hagen schlug vor, einen Runden Tisch einzurichten, an dem Vertreter der Verwaltung, die Eigentümer, Fachleute wie Architekten, Denkmalpfleger, Makler und andere gemeinsam nach einem Kompromiss suchen sollten. Außerdem wurde der Vorschlag unterbreitet, Kontakt mit der Fachhochschule Köln aufzunehmen, um über den Fachbereich Baudenkmalpflege Unterstützung für eine Baubestandsaufnahme und alternative Nutzungskonzepte zu erhalten.

Mittlerweile hat Herr Professor Jürgen Eberhardt von der Fachhochschule Köln die Bereitschaft zur Hilfestellung zugesagt. Außerdem wurde das Gebäude gegen Witterungseinflüsse gesichert, so dass ein weiterer Verfall gestoppt ist. Der Bergische Geschichtsverein hat zum Gespräch am Runden Tisch eingeladen; die Möglichkeit zu einer Lösungsfindung ist somit in Aussicht.

Das freundliche Lokal
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