Zur Ausstellung im GeschichteLokal vom 12. März bis 31. Mai 2008

Gemälde aus Bensberg - heute in Bayern verwahrt

von Max Morsches, in: Rheinisch-Bergischer Kalender, 1990

Nach Kurfürst Johann Wilhelms Tod 1716 blieb sein Schloßbau in Bensberg unvollendet. Die Künstler wurden entlassen, der Innenausbau eingestellt. Damals befanden sich mehr als 200 wertvolle Bilder im Schloß.

Giovanni Antonio Pellegrini, Einzug des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz; Staatsgalerie Schleißheim

Verschwunden in fünf Epochen

Schon um 1750 wurden Bilder aus Bensberg nach Düsseldorf gebracht. Welche, das ist unklar. Mit der Düsseldorfer Galerie kamen sie 1808 nach München. Von den Bildern, die 1794 Bensberg verließen, gibt es ein Übernahme-Inventar. Die 87 darin aufgeführten Bilder (in Bensberg hatte man nur 86 gezählt) waren fast ein Jahrhundert vorher für Schloß Bensbergs "Bel Etage" gemalt worden.

1824/25 kamen 38 Bilder als Anschauungsmaterial zur Künstlerausbildung in die Düsseldorfer Akademie. Diese waren vor der Bauzeit entstanden und für eine Galerie im Schloß vorgesehen. Die meisten sind heute noch in Düsseldorf.

Beim Umbau zur Kadettenanstalt um 1839 wurden die Treppen im Schloß verlegt und die Fresken der Treppenunterseiten zerstört. 35 ovale Hofdamen-Portraits und drei Bildnisse junger Pfalzgrafen kamen nach Brühl. Auch wurden wohl Bilder öffentlich verkauft. Nur sechs Bilder aus der Bauzeit blieben im Bensberger Schloß. Fünf davon verschwanden 1942 bis 1945. Heute ist nur noch eins übrig.

Berühmte Besucher erinnerten sich

Neben wenigen und dürftigen Bilderlisten gibt es nur vereinzelte Aussagen über die Gemälde in Erinnerungen berühmter Schloßbesucher. Goethe besuchte Bensberg 1774, Kritiker Merck 1778 und der Dichter Matthison 1786.

Die 87 Bensberger Gemälde vom Transport 1794 wurden 1808 in München inventarisiert. Von manchem verschollenen Bild kennt man nur durch diese Beschreibung den Inhalt. 1822 wurde in München ein neues Inventar erstellt. Darin fehlen schon einige Bensberger Bilder, deren Verbleib meist unklar ist. Die Gemälde, die nicht in der Alten Pinakothek oder im Schleißheimer Schloß aushingen, lagerten in einem Depot in Augsburg.

Neues Schloss Schleißheim - Staatsgalerie

Infos zur Schlossanlage Schleißheim finden Sie

Bilder wurden billig verkauft

42 Bilder aus Bensberg, die zum Aushängen in einer Galerie ungeeignet waren, wurden 1852 in Augsburg öffentlich versteigert. Trotz niedriger Preise gingen 19 Gemälde nicht weg. Die Käufer (meist Maler) zerteilten wohl die billige Leinwand und bemalten sie neu. Damals verkaufte man u. a. 11 schmale, 3,46 m hohe Pellegrinis, die billigsten für 13 Kreuzer. Der damals wohl angesehenste Maler war Schoonjans. Hundert Gulden sollte sein ?Göttergastmahl" kosten. Es fand keinen Käufer. Drei Bilder wurden 1945 von Bomben zerstört, eins ist im Krieg verschollen, so daß insgesamt 34 Bilder nicht mehr existieren. Die erhaltenen 53 Gemälde hängen in Bayern aus oder füllen das Depot der Alten Pinakothek.

Quellen:
Daubenbüchel, Die Odyssee der Bilder aus dem Bensberger Schieß, in: RBK 1989, S. 30-46
Dobisch, Das neue Schloß zu Bensberg, 1938, S. 125, Anlage IV: Inventarium 1802
Knox, Bellucci und Pellegrini in Bensberg: 1713-1714, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 5 (1998), S. 3-24
Kultzen/Reuss, Der Gemäldezyklus des Schlosses Bensberg, in: Bayer, Staatsgemäldesammlungen Aite Pinakothek München, Venezianische Gemälde des 18. Jahrhunderts (Vollständiger Katalog), 1991, S. 101-174 und Abb. 79-113
Morsches, Gemälde aus Bensberg - heute in Bayern, in: RBK1990, S. 21 f
Morsches, Die Schoonjans-Biider aus dem Bensberger Schieß, in: RBK 1991, S. 46-48
Morsches, Ein Inventar von Bensberger Gemälden, in: ZBGV 95 (1991/92), S. 177-194
Morsches, Die Decke des kurfürstlichen Schlafzimmers in Bensberg, in: RBK 1993, S, 138-144
Morsches, Die Deckengemälde von Weenix aus Schloß Bensberg, in: RBK 1994, S. 96-99
Morsches, Der Jagdzyklus von Weenix im Bensberger Schloß, in: RBK 1999, S. 96-105