Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, genannt Jan Wellem

Aus: Kaiser, Sonnenkönig und Türken, Max Morsches, 2001

Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz mit dem Orden
vom Goldenen Vlies (Stuck, Kurfürstliches Schlafzimmer)

Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716) aus dem Hause Pfalz-Neuburg war der Bauherr von Schloss Bensberg. Der Jesuitenschüler war fromm, sprachgewandt, ein guter Schütze und ein guter Reiter. Von Jugend an kam er jeden Herbst sechs Wochen zur Jagd nach Bensberg. Auf seiner zweijährigen Jugendreise iernte er Europas wichtigste Fürsten kennen.

Johann Wilhelm heiratete Maria Anna Josefa von Österreich (gest. 1689), die Stiefschwester von Kaiser Leopold I. Er wurde 1679 als Johann Wilhelm II. Herzog von Jülich und Berg. Seine älteste Schwester Eleonora Magdalena heiratete den Kaiser, andere Schwestern die Könige von Portugal bzw. Spanien. Mit dem Tod seines Vaters Philipp Wilhelm wurde Johann Wilhelm 1690 auch Herzog von Neuburg und Kurfürst von der Pfalz und damit einer der wichtigsten Reichsfürsten. Der Residenzstadt Düsseldorf bescherte der populäre Kurfürst, im Volksmund ?Jan Wellem" genannt, enormen Aufschwung. Er war ein großer Mäzen der Künstler und Musiker.

Johann Wilhelm hatte große politische Ambitionen. Auf Grund seiner unbedingten Kaisertreue hoffte er auf den Königstitel - von der Pfalz, von Armenien, von Bayern oder vom heutigen Belgien. 1714 sollte er König eines geplanten Mittelmeerreichs aus Sizilien, Sardinien und den Balearen werden. Es kam anders. Johann Wilhelms Träume erfüllten sich nicht.

1708 verlieh der Kaiser dem Kurfürsten Johann Wilhelm die höchste weltliche Kurwürde, das Amt des Erztruchsessen (erster Diener des Kaisers, ursprünglich sein Küchenmeister). Nun durfte er den Reichsapfel im Wappen führen. Gleichzeitig erhielt er zu seinen bisherigen Ländern die Oberpfalz und die Grafschaft Cham. Aus Freude erneuerte er den Hubertusorden.

1711 war Kurfürst Johann Wilhelm auf dem Höhepunkt seiner Macht. Nach dem Tod seines Neffens, des Kaisers Josef I., übernahm er a!s Reichsvikar Repräsentationsaufgaben und organisierte die Wahl des neuen Kaisers. Aus diesem Anlass ließ er viele prachtvolle Münzen und Medaillen prägen.

Die Bauherrin Anna Maria Luisa de' Medici war als toskanische Prinzessin im Palazzo Pitti zu Florenz aufgewachsen, ehe sie 1691 den Witwer Johann Wilhelm heiratete. Sie liebte die Kunst und die Musik und vermittelte viele Italiener an deutsche Fürstenhöfe. Trostloses Herbstwetter und ungastliche Mauern im Alten Schloss Bensberg brachten ihr Heimweh und den Anlass zum Bau des Neuen Schlosses.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Gatten Johann Wilhelm zog sie 1717 mit 80 Hofdamen zurück nach Florenz. Als letzte der Medici, die über 400 Jahre die Geschicke von Florenz und der Toskana geleitet hatten, schenkte sie die Familienkunstschätze der Stadt Florenz und rettete sie so vor der Verschleppung.

Kurfürst Johann Wilhelm heiratete am 25. Oktober 1678 die Erzherzogin Maria Anna Josepha (1654–1689), Tochter des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand III. und seiner Gattin Prinzessin Eleonora Magdalena Gonzaga von Mantua-Nevers. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die jedoch beide bereits am Tag der Geburt verstarben
Anna Maria Luisa de’ Medici (* 11. August 1667; † 18. Februar 1743) war die letzte Großherzogin der Toskana und Herrscherin aus dem Hause Medici; sie war – vor ihrer Thronbesteigung – die Ehefrau von Johann Wilhelm („Jan Wellem“), Kurfürst von der Pfalz (1690-1716).

Fotos

Eine große Sammlung sehr schöner Fotos von Schloss Bensberg sehen Sie

Johann Wilhelm von der Pfalz bei Wikipedia

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